Kommentare 0

A Week in Pictures 03/2017

Es gibt zwei Arten von Menschen: Jene, denen ich irgendwann spät abends von meiner großartigen Horrorfilm-Idee erzähle (eigentlich sind es zwei, das eine ist ein regionaler Horrormehrteiler und das andere, naja, aber ich meine jedenfalls die zweite Idee) und die dann sagen: „Woah, Hollywood!“ und jene, naja, Sie wissen schon. Die Doofen halt.
Jetzt müsste ich an dieser Stelle natürlich meine großartige Horrorfilm-Idee aufschreiben, aber das ist mir eigentlich ein bisschen zu riskant. Ich meine, könnte ja jemand klauen. Und dann verdient er/sie damit Millionen und ich stehe dumm da. Fange dann einen Rechtsstreit an, verliere diesen natürlich und habe dann auch plötzlich Schulden. Obwohl ich ja eigentlich reich sein müsste. Vielleicht deshalb erzähle ich meine großartige Horrorfilm-Idee auch immer nur Betrunkenen, in der Hoffnung, sie können sich am nächsten Tag sowieso nicht mehr daran erinnern.
Aber glauben Sie mir, sie ist absolut großartig. Und vielleicht hätte ich das jetzt auch gar nicht schreiben sollen, denn in der Zeit, die ich damit verschwendet habe, hätte ich ja schon mal anfangen können, den Plot zu bauen, damit Herr Spielberg das Ding endlich mal in die Hände bekommt, was ein bisschen eklig klingt, aber naja.


Manchmal arbeite ich ja sogar. Das heißt, ich trinke Disco-Cola und hänge den ganzen Tag bei Facebook ab, bis dann der Druck hoch genug ist, dass man jetzt doch endlich mal dringend das Ding fertig machen müsste. Und dann geht das auch immer irgendwie. Wie Lesebühnenkollegin Franziska Wilhelm es so schön ausdrückte: Ich arbeite ja gerne morgens. Aber ich schlafe eben auch gern aus. Und nachmittags habe ich meistens keine Geduld. Nachts, wenn alles ruhig ist, geht es am besten, aber da muss man ja schließlich rausgehen und spielen. Es ist ein Teufelskreis. Noch schlimmer jedoch als Menschen, die wirklich etwas auf die Reihe kriegen, finde ich allerdings solche, die immer sagen: „Boah, ich hab SO viele Ideen, ich komm gar nicht dazu, das alles aufzuschreiben.“ Seriously? Was sind das für Leute? In meinem Kopf sieht es zu 99% so aus. Wie letztens erst wieder in dem schönen Max-Goldt-Interview stand: „Macht ja keinen Spaß, zu schreiben. Aber es macht Spaß, etwas geschrieben zu haben. Man müsste jetzt über Schreibblockaden sprechen, und das möchte keiner hören.“


Lyrik, die ich mag. Hier von Richard Brautigan. Ich weiß nicht, ich hab’s nicht so wirklich mit Lyrik. Doch, die Expressionist*innen mag ich. Gern auch todernst. Trakl (großartige Biografie btw!), Heym, Benn, Lasker-Schüler usw, fast schon das Standardprogramm. Und vielleicht noch ein bisschen Beat. Oder eben absurd. Oder alles durcheinander und ganz aktuell. David Friedrich zum Beispiel. Obwohl ich irgendwie froh bin, dass es solche Videos noch nicht häufiger gibt. Aber wir wollen nicht jinxen.
Letztens war ich im Buchladen und wollte eigentlich nur die zehn Minuten, die ich übrig hatte, ehe mein Zug fuhr, überbrücken und natürlich passierte genau das, was immer passiert, wenn ein Buchladen gut ist: Es dauert keine zwei Minuten und ich könnte mit Leichtigkeit 100 Euro ausgeben, und das sogar für Bücher, die wirklich gut zu sein scheinen. Wussten Sie bspw., dass es ein Sequel zu How to kill a Mockingbird (falls Sie das nicht gelesen habe: LOS LOS LOS!) namens Gehe hin, stelle einen Wächter gibt?
Wo wir gerade bei Buchempfehlungen sind: Im Meer schwimmen Krokodile. Tolles Buch. Schöne, bittere, harte, gruselige und wehmütig machende Geschichte einer Flucht von Afghanistan nach Italien.


Mittwoch (oben): Lesebühne Fuchs & Söhne in Berlin. Nachdem unser lieber Historischer Gemeindesaal ja leider schließen musste, sind wir mittlerweile im ZK/U, dem Zentrum für Kunst und Urbanistik. Das ist total super, denn wenn ich da auftrete, dann heißt das ja quasi, dass jetzt doch noch etwas beruflich mit meinem Politikwissenschafts-, Kulturwissenschafts- und Urbanistikstudium mache. Oder falls nicht, dann wenigstens Kunst. Ich weiß nicht, welche Alternative besser ist, aber ich vermute, die meisten Menschen würden sagen, die erste. Letztens fragte mich jemand, was ich so mache und ich erklärte alles so gut es ging, woraufhin sie am Ende sagte: Lustig, dass du immer wieder betonst, dass du total Glück hattest. Muss ich ja auch gehabt haben. Letztens habe ich versucht, eine dieser quaderförmigen Milchpackungen, also nicht die, die von oben wie ein Rechteck aussehen, sondern sie quadratischen, zu öffnen, dabei den Schraubverschluss abgerissen und die Hälfte der Milch in meinem Kühlschrank verteilt. Am Talent kann’s also nicht liegen. Daher sage ich immer Glück.
Donnerstag (Mitte): Lesebühne Glanz & Gloria in Halle. Klären Sie mich auf: Ist es normal, dass man, wenn man an einem Donnerstagabend durch die Hallenser Innenstadt läuft, keine Menschen sieht? Außer natürlich so ein paar Polizisten, die mal wieder völlig verdachtsunabhängig ausgerechnet die schwarzen Jungs kontrollieren. Was ist da los?
Freitag (unten): Lesebühne Schkeuditzer Kreuz in Leipzig. Ach, wie schön. Ich mag ja den Oberkeller sehr. Weil er auch so total super klingt. So viel besser als zum Beispiel der „Unterkeller“, obwohl es denn gar nicht gibt. Und ich mag es ja, allerdings immer nur rückblickend, wie viel Sorgen ich immer habe, ob das, was ich dabei habe, überhaupt etwas taugt. Wobei das immer nur dann fetzt, wenn sich die Sorgen als unbegründet herausstellen. Falls sie dann manchmal begründet sind, naja.


Das heimliche Highlight der Woche: Mein erstes Mal im Doppelstock-IC. Ja ja, ich weiß, das ist nur so ein refurbishter Regionalexpress mit cooleren Sitzen, Steckdosen und so, aber was soll’s. Hat über ein Jahr gedauert, ehe ich mal damit fahren durfte. Und dann direkt nach Halle, wenn das kein Karma ist.
Lustig jedenfalls, dass ein IC-Ticket von Leipzig nach Halle billiger ist als das S-Bahnticket. Und die S-Bahnen sind ja mal wirklich furchtbar. Ich weiß, ich weiß, man darf damit auch Straßenbahn fahren etc. und überhaupt redet der Antreh ja immer von BC50-Preisen, aber lassen Sie mich!
Natürlich saß ich im IC in der oberen Ebene, denn angeblich so einem ja dort immer schlecht werden. Schlecht wurde mir, was aber vermutlich eher daran lag, dass ich vorher eine ganze Packung Minisalami und eine Flasche Dr Pepper-Cola zu mir genommen hatte. Oder halt an Halle, wer weiß das schon.
Auf der Rückfahrt hatte ich dann noch Kontakt mit einer Art Mensch, die ich zutiefst verachte: Fahrkartenkontrolleur*innen, die ihren Job viel zu ernst nehmen. Mal ehrlich, wenn ich mit der vorletzten S-Bahn zurückfahre, zwei Minuten vor Abfahrt ein Ticket gekauft und dann vergessen habe, es abstempeln zu lassen und dazu mit lauter Leuten unterwegs bin, die alle ebenfalls gültige Fahrscheine haben, habe ich es dann wirklich vergessen oder wollte ich schwarzfahren? Man sollte einfach nichts von Menschen erwarten, die sich einen Oberlippenbart stehen lassen, der dann noch nicht einmal richtig dicht ist. „Mimimimi, das kostet 60 Euro.“ Klar, ich kaufe mir jedes Jahr eine Bahncard, fahre mindestens für 2.500 Euro jährlich herum, damit ich diesen lustigen comfort-Status habe, bei dem es mir aber trotzdem zu peinlich ist, Leute von den bahn.comfort-Plätzen zu verscheuchen, und dann fahre ich ausgerechnet in Halle schwarz. Falls du das liest, lieber Kontrolleur: Ich hasse dich. Auch, wenn du „nochmal ein Auge zugedrückt hast“. Vielleicht sogar gerade deshalb.


Oben: Das war’s dann mit der street cred. Vielleicht deshalb hat der Dönermann am Sonntag auch so komisch geguckt und sich beim Einrollen des Dürüms nochmal kurz umgedreht und irgendwas vor sich hin hantiert. Vielleicht, um ein bisschen Gift hineinzuschütten, das mich zwar nicht umbringen, mir aber dafür vielleicht peu à peu den Gedanken einpflanzen wird, dass es eine gute Idee wäre, nach Gohlis zu ziehen. Hauptsache, ich bin dann endlich weg. Wir werden sehen.
Als mein Opa jedenfalls das Foto da in der Zeitung sah, sagte er sehr treffend: „Da haste aber dicke Backen!“
Woraufhin meine Mutter freundlich ergänzte: „Jaaaaa, das war ja noch vor seinem Unfall.“
Meine Familie liebt mich. Das heißt, „Familie“. Nicht umsonst bin ich mehr und mehr davon überzeugt, so eine Art Bruce Wayne zu sein, der ganz allein aufwuchs, allerdings auch ohne Butler und total arm.
Guter Artikel jedenfalls, dem ich auch zwei, dreimal Quatsch hinzufügen durfte, damit er keine Höhenflüge bekommt.
Ein bisschen betrüblich fand ich vor allem die Aussage von Prof. Rink, der, auf die Frage, welches Viertel denn nach der Eisenbahnstraße dran wäre mit Gentrifiziertwerden bzw. wo denn mal all die wirklich nicht sonderlich reichen Leute, die hier wohnen, hinziehen sollen, wenn es mal richtig teuer wird, antwortete: Tja, da sähe er grad auch nichts.
Und das ist doch wirklich kacke.
Unten: In Connewitz. Dort nimmt man die Probleme gern noch selbst in die Hand.


Selbstvergewisserungsselfie auf der Zugtoilette. Ganz unten angekommen sozusagen. Wobei mich dabei gar keine Schuld traf, den ich wurde ja nur auf die Toilette gedrängt, weil es beim Aussteigen so verdammt voll war und außerdem waren da überall Rentner, die haben es ja immer eilig, weil sie nicht mehr so viel Zeit zu leben haben und bald sterben werden. Da trete ich natürlich gern einen Schritt zurück.

Was fehlt:

In Kategorie: a week in pictures

Kommentar verfassen