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A Week in Pictures 01/2018

Wie schon gesagt: Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr und die erste Jahreswoche sind immer am besten. Alles ist noch irgendwie einen Ticken langsamer gestellt und man hat genügend Gelegenheit, sich über die wichtigen Dinge des Lebens Gedanken zu machen. Wie zum Beispiel darüber, dass ich eigentlich nie einen Spitznamen hatte. Okay, in der Grundschule versuchte einer meiner Mitschüler mal für einen Tag, den Namen „Kläranlage“ zu kultivieren, weil er glaubte, es würde sich irgendwie auf „Herrmann“ reimen oder so. Leider scheiterte sein Plan, da es mir erstens total egal war (und so etwas macht halt nur Spaß, wenn es die Leute auch trifft) und sich zweitens der angebliche Gleichklang auch niemandem sonst erschloss. Man konnte mich nicht Andi nennen, weil so schon alle Leute namens „Andreas“ genannt wurden und schon waren die Möglichkeiten äußerst beschränkt. Und es dauerte viele Jahre, ehe ich bemerkte, dass ich praktisch schon immer einen Spitznamen hatte: Antreh! Einen Namen, den man zwingend mit Ausrufezeichen schreiben muss, weil es sonst den Klang verfälscht. Eigentlich ist mein Spitzname sogar: „Antreh! Komm ma!“, aber verkürzt natürlich „Antreh!“. Niemand nennt mich „André“, weshalb ich immer ein bisschen in innerliche Verzückung gerate, wenn es doch mal jemand sagt. Wobei ich auch keineswegs böse oder eingeschnappt bin, wenn jemand „Andre“ sagt. Ich weiß ja selbst, dass man „André“, mit der Betonung auf dem E, ganz schlecht in einem normalen Satz sprechen kann. Schon „Andreeeeeee Herrmann“ klingt ja komisch. Soll es aber auch. Ist doch super, wenn man darüber stolpert, denn dann muss man darüber nachdenken, was es wiederum zu etwas Besonderem macht. Und mittlerweile mag ich ja auch „Antreh!“ sehr gerne, weil das alles ganz gut zusammenfasst. Trotzdem weigere ich mich meistens, Leute bei ihren Spitznamen zu nennen, zumindest dann, wenn sie sich mir nicht mit ihrem Spitznamen vorgestellt oder es sich explizit gewünscht haben. Warum sollte ich auch jemanden, der Stefan heißt, plötzlich Steff nennen? Noch schlimmer: Wieso nennen Eltern ihr Kind „Gregor“ und rufen es dann immer „Greg“? Nennt es halt gleich so, wenn ihr den Namen eh besser findet. Nun ja, Sie merken, es wird Zeit, dass ich mal wieder mehr zu tun habe. Ich komme nur auf komische Gedanken.


Zwölf zu sein ist wunderbar. Ja ja, das war natürlich nicht letzte Woche. Das da war Anfang Dezember in Haifa in Israel. Und ja, natürlich bin ich bis runter gerutscht!
Nicht im Bild: Wie wir an einem Abend fünf Folgen à anderthalb Stunden Lotta geguckt haben und ich mich erst sehr langsam wieder daran erinnern konnte, dass Josefine Preuß ja schon bei Schloss Einstein mitgespielt hatte und ich sie also nicht erst seit Türkisch für Anfänger kenne. Vielleicht habe ich Schloss Einstein aber auch einfach verdrängt, weil sie dort mit dem Oberdordtypen Wolf zusammen war und ich das nicht ertragen konnte. Nicht, weil ich jetzt in Josefine Preuß verliebt war, sondern einfach, weil ich Männer schon damals kacke fand. Wurscht. Bei Lotta geht es jedenfalls um ein Mädchen namens Lotta, das unbedingt Schauspielerin werden will, dann aber zufällig in einem Altenheim landet, es dort zuerst total doof finden will, es im Endeffekt aber doch total toll wird (Teil 1), sodass sie sogar eine Pflegeausbildung dranhängt und am Ende irgendwie schwanger ist (Teil 2). Plötzlich hat Lotta also ein Kind und beschließt, Medizin zu studieren. In Halle, oh mein Gott (Teil 3). Naja, das klappt dann auch irgendwie und irgendwann ist sie fertig, aber hat halt keinen Freund mehr (Teil 4), sodass sie zurück in ihr Heimatstädtchen geht, um dort Ärztin zu sein. Das geht allerdings nicht lange gut, denn sie muss mal eben das Familienunternehmen (eine Spedition) retten (Teil 5). Und ganz am Ende ist Lotta dann in Berlin (nach gefühlt mehr Umzügen auch ich gemacht habe, Hut ab!), arbeitet dort als Arztvertretung und bandelt nebenbei mit einem Restaurantbesitzer an (Teil 6). Keine besonders krasse Story, aber irgendwie doch ganz nett. Wenn man mal davon absieht, dass es wahrscheinlich nicht sooooo easy ist, mal eben mit Kind Medizin zu studieren und das in den Filmen auch nie thematisiert wird. Nein, da werden einfach ein paar Schnittbilder der lernenden Lotta gezeigt, die einen Abend (!) vor der Prüfung anfängt zu lernen und tada! bestanden. Und natürlich lebt Lotta in einer total coolen Dreier-WG, die zusammen ein total hübsches Haus (!) besitzt. In Halle, okay, das ist ein dicker Minuspunkt, aber sonst?! Hach, eigentlich müsste man all die Serien, Girls, Sex and the City und auch Lotta noch einmal unter realistischen Bedingungen nachdrehen. Carry Bradshaw, die mit ihrer wöchentlichen Kolumne 200 Euro verdient und deshalb irgendwo in einem Vierbettzimmer in Queens leben muss, Hannah Horvath, die ja mal gleich gar kein Geld hat und deshalb noch bei ihren Eltern wohnen muss und nicht zuletzt Lotta, die vielleicht ein bisschen Unterstützung vom Staat bekommt, sei es Bafög und Kinder Geld, whatever, deshalb aber trotzdem nur in einem total winzigen 1-Zimmer-Appartment im Wohnheim leben kann. In Halle! Boah, wie mich so etwas durch und durch Unrealistisches immer nervt. Bei „Zusammen ist man weniger allein“ zum Beispiel, da leben sie ja nur deshalb in dieser riesigen, total tollen Wohnung, weil die Erbverhältnisse noch nicht geklärt sind und zack! eines Tages müssen sie halt einfach raus. Zurück in die winzige Marsarde unterm Dach! So ist nämlich Paris wirklich! 600 Euro im Monat für eine Schuhschachtel unterm Dach und die Lungenentzündung gibt’s gratis dazu.


Es gab da mal diesen schrecklichen Vorfall. Antreh hatte sich so eine supersichere Festplatte gekauft, um all die Fotos und so zu sichern. Die supersichere Festplatte hatte so ein eingebautes Keypad samt Hardwareverschlüsselung, das heißt, die Festplatte wurde erst nach Eingabe des korrekten Passworts überhaupt vom Computer erkannt. Es hieß auch, dass sich die Festplatte nach zehnmaligem Falscheingeben des Passworts zur Sicherheit sperrte. Und es hieß auch, dass sich die Festplatte nach nochmaligem zehnmaligen Falscheingeben automatisch löschte. Und, was soll ich sagen: Die Firma hatte nicht gelogen. Alle Daten waren nach zwanzig Falscheingaben unrettbar gelöscht. Aber sehen wir es positiv: Die Welt braucht eh keine Fotos von Antreh mit langen Haaren.
Früher habe ich die Leute mit raids ja immer so ein bisschen belächelt. So wie man es halt macht, wenn einem noch die Festplatten verstorben sind oder der dümmste anzunehmende Benutzer (ich) sie in der Hand hatte. Jetzt jedenfalls ist alles perfekt. Also fast. Besser geht’s immer. Außerdem wird meine Stromrechnung vermutlich explodieren, aber was soll’s. Ich nähere mich weiterhin peu à peu meiner persönlichen Perfektion. Wenn ich es jetzt noch schaffe, unendlich reich zu werden, sodass ich mich nicht mehr nebenher um den lästigen Punkt der Geldbeschaffung kümmern muss, dann wäre mir schon sehr geholfen. Ich wäre ein total unauffälliger Millionär. Weil ich ja viel zu viel Angst hätte, viel Geld auszugeben, sodass ich womöglich meinen Millionärsstatus verlieren würde. Also lieber gleich Milliardär sein, wobei das das Problem nur verschiebt und nicht löst. Monatliche Sofortrente, das wär’s. 7500 Euro monatlich, reicht völlig. Ich will ja nichts. Haha, was für eine arrogante Aussage.



Nicht im Bild: Heimwärts fahren, Geburtstagsessen, die übliche Krankenhausrunde und schon wieder zurück. Erkenntnisse: Es gibt eigentlich kein einziges Thema, das sich nicht in ein paar steile Thesen über Ausländer*innen verwandeln lässt. / Wenn der Arzt sagt, dass es da keine Möglichkeit gibt, irgendwie zu helfen, dann ist das überhaupt keine gute Nachricht, selbst wenn es heißt, dass man entlassen wird. / Es ist wie bei The Green Mile. I just took it.
Auch nicht im Bild: Beleidigungen-Ausdenken für den bevorstehenden Roast mit Ingolf Lück. Wobei ich ja freestyle wollte, weil die anderen Teilnehmer*innen es eigentlich nicht wert sind, sich für sie anzustrengen. Aber vielleicht bin ich auch schon längst voll im Thema.


Nun ja, muss ja. Die Liste ist lang und der Wechselkurstourismus macht Vieles möglich. -1 bis -6 Grad, das wird sicher ganz toll! Aber ich wollte halt einfach noch einmal Auschwitz ansehen. Weil das vor ein paar Jahren so ziemlich das Krasseste war, was ich jemals gesehen hatte. Und ich seitdem immer sage, ich würde jede*n deutsche*n Schüler*in dorthin schicken. In Kleingruppen (Ich glaube, die machen eh maximal 20er-Gruppen), mit Guide, im Winter. Weil ich glaube, dass danach eigentlich niemand mehr Nazi sein kann. Einmal einen ganzen Raum voller menschlicher Haare sehen, daneben einen Raum voller Schuhe, daneben bergeweise Zähne, Prothesen etc und einmal in einer echten Gaskammer stehen, das hilft gegen Geschichtsrevisionismus. Ich war vor ein paar Jahren schon einmal da, als ein Freund von mir in Krakau studiert hatte. Und meine einzige Bedingung, es eine Woche in seinem mit einem Polen (und meistens auch dessen Freundin, pfui) geteilten Zimmer auszuhalten, war nur, dass wir mal dorthin fahren. Und normalerweise sind wir abends immer nochmal weggegangen, mindestens etwas essen und etwas trinken, aber schon bei der Busfahrt zurück, während der es einfach nur totenstill war, wusste ich schon, dass wir heute vermutlich zur Abwechslung mal sehr frühs ins Bett gehen würden.
Richtig gut fand ich auch in Krakau eine Ausstellung, in die wir durch vollkommenen Zufall geraten sind. Es ging um die Obdachlosen der Stadt, die (vermutlich wie überall) von den Behörden nicht besonders toll behandelt werden. Ein Student hatte einen der Obdachlosen ein Jahr lang begleitet, dabei, wie er und ein paar Freunde ein abgelegenes Bahnhäuschen finden, es nach besten Möglichkeiten wieder herrichten und winterfest machen, ehe dann die Stadt davon Wind bekommt und alles abreißen lässt. Dazu gab es riesige Fotos, ausgestellte Gegenstände der Obdachlosen. Und dann wurde man am Ende der Ausstellung in den Keller geleitet, aus dem die ganze Zeit über schon komischer Qualm kam. Man sollte einem Pfad folgen, ging die Wendeltreppe hinunter, ging weiter, durch einen kleinen Raum und stand plötzlich mitten zwischen einer Gruppe Obdachlosen, die während der Ausstellung (das heißt auch im Winter) im Untergeschoss des Museums bleiben durften. Zwischen ihren Nachtlagern führte der Pfad entlang, den niemand nahm und überhaupt wollte man nicht so richtig stören, auch wenn die Leute sich überhaupt nicht stören ließen, sondern mitten im Raum ein schönes Feuer brennen ließen. Also ja, kann man ruhig nochmal hinfahren.

Was fehlt:

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