« »

Liebe Kinder, liebe Jugendliche,

im Sinne des neuen Jugendmedienschutzstaatsvertrags sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass folgende Inhalte aus Gründen des Schutzes eurer zerbrechlichen Seele erst nach einem Klick verfügbar sind. Der Jugendschutz funktioniert sonst schließlich überall vortrefflich, allein im Internet ist eure kleine, tölpelhafte Seele dem Teufel geradezu ausgeliefert. Bitte lasst eure Eltern sicher stellen, dass sie euch daran hindern, diese Klick-Hürde zu nehmen. Es geschieht nur zu eurem Besten.

Ein Blödsinn, ehrlich. Die Inkompetenz deutscher Politiker scheint sich insbesondere im Bereich des Digitalen immer und immer manifestieren zu müssen. Wo man sich in der letzten ZEIT-Ausgabe noch wunderte, wie sich Facebook nur erdreisten könne, so lax mit dem Datenschutz umzugehen, ohne sich vorher mit Deutschland darüber abzusprechen, beschließen die Ministerpräsidenten heute das nächste Ding.

“Ein neuer Staatsvertrag, den die Ministerpräsidenten der Länder beschlossen haben, sieht Alterskennzeichnungen und Sendezeitbeschränkungen für Web-Seiten vor […].” (Quelle) Sendezeiten? Alterskennzeichnungen? Natürlich alles freiwillig, klar, denn wie wir alle wissen, funktionieren freiwillige Maßnahmen immer besonders gut. Und das Internet ist auch nur so etwas wie Fernsehen, nur mit viel mehr Kanälen.

“Künftig sollen Internetprovider ihren Kunden Webfilter anbieten, mit denen sich das Netz in eine kindersichere Homezone verwandeln lässt.” (Quelle) Eine großartige Idee, die natürlich wieder unglaublich sicher sein wird. Genau so, wie bereits die Vorratsdaten sicher waren. Ich möchte wetten, dass spätestens 2 Wochen nach Einführung die ersten Cracks für jeglichen Schutz, böse Zungen würden es Zensur nennen, verfügbar sind.

Außerdem wird schon wieder (siehe Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchung) versucht, eine technische Infrastruktur zu etablieren, die dem Nutzer jegliche Verantwortung abnimmt. Entweder unsere Herren Übergeordneten halten sich tatsächlich für so klug, darüber richten zu können bzw. die Nutzer für so dumm, als dass sie nicht davon ausgehen, dass es massive Versuche geben wird, die Maßnahmen zu umgehen, ganz zu schweigen von der bereits angesprochen Inkompetenz, die allein die Idee einer solchen Sache ausstrahlt.

Es ist ja wirklich schön, die lange Geschichte der verfehlten Regulierung des Virtuellen zu lesen, zu der allzu oft neue Kapitel hinzugefügt werden, an ernst zu nehmenden Vorschlägen mangelt es dabei leider immer. Schlimm, schlimm, nur wozu auch Maßnahmen ergreifen, die einen mündigen Umgang mit dem Internet ermöglichen könnten, wenn Verbote viel leichter durchzusetzen sind. Kinder und Jugendliche, die wissen, wie sie mit Inhalten umzugehen haben, könnten später immerhin zur Gefahr in Form eines aufmerksamen Bürgers werden. Was wir brauchen, sind virtuelle Mauern und Zäune, vor denen unsere Kleinen dann ehrfürchtig erstarren und glücklich strahlen werden, weil sie es gut schätzen, von kompetenten Menschen daran gehindert worden zu sein, die Welt zu sehen, wie sie ist.

Wieder einmal ein halbherziger Entschluss, der eine Menge Kosten generieren, aber kaum bis keinen Nutzen abwerfen wird. Wie Internetmenschen dazu sagen würden: Fail.

Mein erstes eBook ist da!
Es heißt Bitterfeld hat auch schöne Ecken und beinhaltet 10 Geschichten aus meiner Reihe "Sehr gute Texte". Kaufen darf man es bei Amazon oder xinxii (epub) für 99 Cent.

Mehr Infos zum Buch gibt es hier.

Sag der Welt deine Meinung!


Ich liebe Kommentare! Bitte lass dich nicht davon abhalten, mich zu beglückwünschen oder zu kritisieren. Falls du das nicht öffentlich tun willst, schreib mir einfach eine E-Mail. Ich freue mich immer über Post, außer es geht um Penisverlängerungen:
post [at] andreherrmann [punkt] de

Connect with Facebook

Mehr aus Allzumenschlich