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50 Shades of nee, ey

Was gehypte Literatur angeht, bin ich ein Mainstreamer vor dem Herren. Ich musste einfach Twilight und The Hunger Games lesen. Jetzt also die 50 Shades-Trilogie. Viele Leute haben bereits darüber gesprochen und geschrieben, obgleich ich bezweifle, dass viele von ihnen sie überhaupt gelesen haben. Das mache ich anders. Ich lese sie. Und damit man einen Eindruck davon bekommt, was ich dabei durchlebe, hier mein gestückelter Erfahrungsbericht.

Wir befinden uns bei Teil 1 – 50 Shades of Grey (englische Ausgabe), Kapitel 1 bis 5 (16%).

Hier geht’s zu (Buch 1) Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Hier geht’s zu (Buch 2) Teil 5, Teil 6, Teil 7.

Hier geht’s zu (Buch 3) Teil 8, Teil 9, Teil 10.

Achtung, Spoiler:

Anastasia Steele (also wirklich!) ist ein bildhübsche junge Frau, die jedoch noch auf den richtigen Mann wartet. Statt für die Abschlussprüfungen ihres Literaturstudiums zu lernen, vertritt sie ihre kranke Mitbewohnerin Katherina bei einem Interview für die Hochschulzeitung. Weil Katherine reich ist, darf Anastasia sogar den pfeilschnellen Mercedes nehmen, der praktisch alle 10 Seiten mal wieder gelobt wird, aber wir wollen da nichts unterstellen. Natürlich interviewt Anastasia nicht irgendwen, sondern den Industrietycoon Nordamerikas schlechthin, nämlich den 27-jährigen Christian Grey, dessen Firmensitz z u f ä l l i g ein riesiges graues Gebäude aus Stahl und Glas ist, lol.

Leider hat Katherine es versäumt, Anastasia darauf vorzubereiten, dass Christian Grey nicht nur unendlich reich, sondern auch unendlich gutaussehend, single und, wie sie durch eine findige Interviewfrage erfährt, nicht schwul ist. Deshalb läuft das Interview zwar gut, jedoch für Anastasia irgendwie schwierig, weil ihr Unterbewusstsein direkt mal feststellt, dass sie noch nie ein Mann derart emotional berührt hat, wie es Christian Grey allein durch Aussprechen ihres Namens zu tun vermag. Trotzdem wirkt der, vielleicht habe ich es noch nicht erwähnt, unglaublich gut aussehende junge Mann, ein wenig kommandierend, so als hätte er da ein kleineres Geheimnis zu verbergen.

Katherine jedenfalls ist begeistert von dem Interview, hätte aber gern noch ein Foto vom Überindustriellen. Während Anastasia am selben Tag wie immer im Baumarkt arbeitet (im Baumarkt!) wird klar, dass sie prinzipiell eine heiß begehrte junge Dame ist, die nur aus Gründen, die sie selbst nicht weiß, alle Offerten ablehnt. Und als wäre es göttliche Fügung, taucht nach ein paar Tagen z u f ä l l i g Christian Grey im Baumarkt auf, um Kabelbinder, Gaffa-Tape und ein paar Meter Seil zu kaufen, obwohl er, wie er verschmitzt verrät, gar nicht renovieren will. Anastasia kombiniert sofort, fragt nach einem Foto für die Unizeitung und erhält Christian Greys Telefonnummer. Dabei muss sie sich langsam aber sicher eingestehen, dass dieser mysteriöse Mann, der sich im Baumarkt herumtreibt, ohne ein heimlicher Handwerker zu sein, schon lange ihr Herz erobert hat.

Einen Tag später trifft sich Ana gemeinsam mit Katherine und Fotografenkumpel José, der übrigens wie alle auch nichts dagegen hätte, Anas Herz zu wärmen, mit Christian Grey zum Fototermin. Alles läuft super, bis Grey fragt, ob Ana noch einen Kaffee mit ihm trinken wolle. Sie willigt ein, sie gehen zum Fahrstuhl, er nimmt ihre Hand und sie spazieren zum nächsten Kaffeeladen, was Ana einen mittleren Herzinfarkt beschert. Dabei erfährt sie eigentlich nichts, was man nicht schon wüsste: Grey ist stinkreich, irgendwie mysteriös und zu allem Überfluss auch noch froh, dass Katherine beim ursprünglichen Interviewtermin krank gewesen ist. Und weil das alles so viel für Anas Kopf ist, wird sie am Ende beinahe von einem Fahrradfahrer überfahren. Grey zieht sie gerade noch weg, sie landet an seiner Brust und denkt, wie jeder Mensch, der gerade dem sicheren Tod entkommen ist: Küss mich, Grey!

Um es kurz zu machen: Grey küsst sie nicht. Und Ana ist sich sicher, dass Christian Grey folglich im Zölibat lebt (das denkt sie wirklich!). Glücklicherweise gibt es da noch diese Abschlussprüfungen, in die sie sich in den kommenden Tagen flüchten kann. Zwar schickt ihr Grey in der Zwischenzeit drei Bücher, die zusammen etwa 42.000 Dollar wert sind und eine Warnung sein sollen, sich von ihm fern zu halten, aber naja. Zur Feier der letzten Prüfung beschließen Ana und Kate, sich mal so richtig zu betrinken. Zwar hat Anastasia noch nie Alkohol getrunken, doch das hindert sie keineswegs daran, sich fünf Margharitas hinter die Binde zu kippen und anschließend Christian Grey anzurufen, um ihn zu fragen, was das mit den Büchern solle.

Als Ana kurz darauf vor der Bar herumschwankt und José seine Chance sieht, sie endlich abzuschlappen, ist u r p l ö t z l i c h Christian Grey am Start. Klar, er hat ihr Handy geortet. Nachdem Ana das erste Mal in ihrem Leben so richtig nach Ulf gerufen und den Parkplatz bekleckert hat, wird es dunkel in ihrem Kopf. Sie erwacht in einem Zimmer, das nicht das ihrige ist, sondern irgendwie dem Hotelzimmer gleicht, in dem auch das Fotoshooting stattgefunden hat. Natürlich hat Christian Grey sie mit nach Hause genommen, sie aber ebenso wenig angefasst (er hasst Nekrophilie, wie er sagt). Wäre auch nicht sein Style, wie Ana mehr und mehr erfährt. Denn beim Frühstück verrät Grey, dass er weder schwul sei, noch im Zölibat lebe, sondern einfach nur einen sehr diffizilen Geschmack habe. Und plötzlich bekommt selbst die Widmung des Buches – For Niall, the master of my universe – eine Färbung, die man am ehesten mit Urgs! umschreiben könnte.

Und weil sein Geschmack derart speziell sei, wäre eine vertragliche Absicherung das A und O, ohne würde Grey Ana niemals anfassen (ja, ein Vertrag!).

Jedoch erklärt Grey sich dazu bereit, Ana in sein Geheimnis einzuweihen. Alles, was sie tun müsste, ist mit ihm am Abend per Hubschrauber nach Hause zu fliegen, den Papierkram zu erledigen und schon könne es losgehen. Doch, als er sie schließlich nach Hause fahren will, überkommt es ihn im Fahrstuhl endgültig. Und schon nach ein bisschen Haareziehen und Herumzüngeln wird klar, dass seine Worte „Oh, fuck the paperwork“ erst der Anfang sind.

In Kategorie: Kritikaster

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  1. Pingback: A Week in Pictures: 41/2013 » André Herrmann – How about nö?

  2. André, herzlichen Dank dafür, dass du die Tortur der kompletten Lektüre auf dich genommen hast! – Mir ist neulich in einem Hotel der erste Band untergekommen und ich habe ihn quer gelesen; schließlich muss man wissen, warum man was doof findet, nicht wahr? Ich kann nur sagen: Du hast es mehr als trefflich beschrieben. Wenn man deine Zusammenfassung liest, spart das wertvolle Lebenszeit. ;-)

  3. Pingback: A Week in Pictures 37/2016 | André Herrmann - How about nö?

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