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50 Shades of nee, ey [5]

Was gehypte Literatur angeht, bin ich ein Mainstreamer vor dem Herren. Ich musste einfach Twilight und The Hunger Games lesen. Jetzt also die 50 Shades-Trilogie. Viele Leute haben bereits darüber gesprochen und geschrieben, obgleich ich bezweifle, dass viele von ihnen sie überhaupt gelesen haben. Das mache ich anders. Ich lese sie. Und damit man einen Eindruck davon bekommt, was ich dabei durchlebe, hier mein gestückelter Erfahrungsbericht.

Wir befinden uns bei Teil 2 – 50 Shades Darker (englische Ausgabe), Kapitel 1 bis 7 (31%).

Hier geht’s zu (Buch 1) Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Hier geht’s zu (Buch 2) Teil 5, Teil 6, Teil 7.

Hier geht’s zu (Buch 3) Teil 8, Teil 9, Teil 10.

Achtung, Spoiler:

Erinnern wir uns kurz zurück an das Ende von Teil 1: Anastasia Steele, die willenlose Frau, die eigentlich total tough sein soll, an der Seite des unendlich gutaussehenden Industrie-Tycoons Christian Grey, hat sich von eben diesem losgerissen. Warum? Weil sie sich einmal hatte zeigen lassen, was Christian eigentlich unter BSDM versteht und sie danach kaum noch laufen konnte. Kurzum: Ana hat Christian tatsächlich verlassen. Und sogar ihren Blackberry und das Über-Macbook zurückgegeben. Und bereits kurz darauf weiß sie, ganz ihrer selbstbestimmten Art entsprechend: Es war nicht Christians Schuld, sondern ganz allein ihre eigene, haha.

Teil 2 beginnt mit einem kurzen Prolog. Der kleine Christian sieht, wie seine Mutter (wir erinnern uns: die Crackhure) benebelt herumliegt. Christian versteckt sich unter dem Küchentisch, denn er ist zurück. Er schreit sie an, schlägt sie mit seinem Gürtel, sie schreit vor Schmerzen, bis er von ihr ablässt. Dann geht er zu Christian und selbiger erwacht aus seinem Alptraum.

Und dann sind wir mitten in der Geschichte. Weil Ana sich nicht allein auf die Beziehung zu einem Mann reduzieren lässt, teilt sie ihr Leben in Christian und Post-Christian ein. Sie isoliert sich komplett in ihrer monströsen Eigentumswohnung im Stadtzentrum von Seattle, die die Eltern ihrer Mitbewohnerin Kate mal eben für die beiden gekauft haben. Kate ist übrigens noch immer, schätzungsweise seit ungefähr 4 Jahren, auf Barbados, sodass Ana zufälligerweise die riesige Wohnung für sich allein hat. Ihr erster Arbeitstag läuft natürlich trotzdem fabelhaft, auch wenn sie abseits der Arbeit nur mit Weinen beschäftigt ist und den Gedanken daran, dass ihr Leben durch die Trennung von Christian nun praktisch zu Ende ist. Als sie vom ersten Arbeitstag zurückkommt, erwartet sie ein mysteriöses Paket voller weißer Rosen. Von welchem mysteriösen Menschen könnten die wohl sein? Ach richtig, von Christian Grey, dem unglaublich gutaussehenden Selfmademan, der mit 27 Jahren bereits reicher ist als alle anderen Menschen in diesem Universum. Christian gratuliert Ana zu ihrem ersten Arbeitstag und weil Ana total sauer auf Christian ist, beschließt sie, erstmal eine Vase für die hübschen Rosen zu holen.

Als Ana am nächsten Tag auf Arbeit ist, erreicht sie eine Email von Christian. Da war doch noch diese Ausstellung von ihrem Kumpel José, zu der sie wollte. Leider hat Ana dank der Trennung von Christian ja nun kein Auto mehr, weshalb der großzügige und sicher noch immer unglaublich gutaussehende Christian ihr anbietet, sie zu der Show zu fahren. Ganz casual versteht sich, schließlich sind sie ja getrennt. Und Ana, ganz casual, denn sie weiß ja, dass sie sich vor just fünf Tagen von Christian getrennt hat, weil sie einfach nicht mit ihm klar kommt, ja Ana beschließt, DASS DAS EINE FABELHAFTE IDEE IST, dafuq?

Wenn man zu diesem Zeitpunkt das Buch noch nicht verzweifelt aus dem Fenster geworfen hat, so erfährt man, dass Ana ganz aufgeregt ist, Christian zu sehen. Plötzlich fällt ihr wieder ein, wie gequält sein Gesichtsausdruck ausgesehen hat, als sie dumme Kuh ihn verlassen hat. Hach, vielleicht hätte sie ihn doch nie verletzen sollen?! Auf Arbeit schlägt ihr überaufmerksamer Chef namens Jack vor, am nächsten Tag mit der gesamten Belegschaft nach der Arbeit noch etwas trinken zu gehen und Ana nimmt dankend an. Ist sowieso egal, denn für sie dreht sich alles wieder einmal nur noch darum, dass sie bald Christian sehen wird. Und dann ist er da: Großartig, wunderschön, mit glühenden Augen und das erste, was er sagt, ist: Wann hast du das letzte Mal etwas gegessen? Ja, es muss also Liebe sein! Nun gut, die beiden fahren los (sie nehmen natürlich wie ganz normale Leute den Hubschrauber) und machen sich auf zu José. Und natürlich will Christian sie auch zurück haben. Aber er ist eben immer noch fifty shades, also fifty shades of fucked up, wie er es mal genannt hat, und obwohl man sowieso schon weiß, dass Ana in ca. anderthalb Seiten nachgeben wird, weil sie so tough ist, ziert sie sich noch ein bisschen, denn das Buch soll ja nicht nur 20 Seiten haben.

Josés Show ist wunderbar und großartig. Er ist jetzt also ein Starfotograf. Ganz besonders erfolgreich sind die riesigen Portraits, die er von Ana gemacht hat. Natürlich, von wem auch sonst, immerhin ist José ja auch verliebt in Ana, wie so ziemlich jeder Mann, nur dass sie es natürlich nie bemerkt, weil sie so unschuldig und selbstbestimmt ist. Christian tut das, was Christian immer tut. Er kauft alle Ana-Portraits auf, sagt Ana, dass sie jetzt dringend etwas essen soll und dann gehen sie wieder. Beim Essen ist wieder alles super. Ana bemerkt nochmal, dass sie an der Trennung schuld ist, denn als Christian sie mit dem Gürtel vermöbelt hat, hätte sie ja auch einfach ein Safeword sagen können, dieses Dummerchen. Also gut, sind sie jetzt endlich wieder zusammen? Nein, noch nicht ganz! Natürlich will Ana eternal love und Blümchensex und Gemeinsame-Wohnung-Dekorieren und all dieses Zeug, aber Christian ist so mysteriös! Außerdem will er Ana dauernd zur Sexsklavin umfunktionieren, weshalb er ihr verspricht, sich diesmal wirklich Mühe zu geben. Auch das mit dem Anfassen will er üben, aber das ist eben ein großes Problem für ihn. Hach, und dann ist endlich wieder alles gut. Alles vergeben und vergessen, na ein Glück! Und weil jetzt alles wieder in Ordnung ist, bekommt Ana noch schnell ihr Blackberry und das Macbook zurück. Dazu gibt es, als Zeichen ewiger Liebe, ein iPad, geil. Ein iPad mit ganz viel von Christian ausgesuchter Musik, hammer! Es muss einfach Liebe sein. Achja, erinnert sich noch jemand an Anas rostigen VW Beetle, den Christian für sie hat verkaufen lassen? Sie hat 24.000 Dollar dafür bekommen. Ja, 24.000, lol.

Am nächsten Tag ist also das After-Work-Bier angesetzt. Gleichzeitig hat sich Ana auch mit Christian verabredet, der sie später am Abend abholen wird. Ana stolpert aus dem Bürogebäude, als PLÖTZLICH eine unbekannte Frau vor ihr steht, die ihren Namen kennt. Ana ist total perplex, denn die Frau sagt so Sachen wie „Nein, ich wollte sie nur mal angucken.“, „Was haben Sie, das ich nicht habe?“ und dann ist sie wieder weg. Weil Ana jetzt total verwirrt ist, lässt sie sich in der Bar mal richtig volllaufen. Logisch, dass irgendwann ihr Chef beginnt, sie anzugraben. Glücklicherweise genau in dem Moment, als Christian vorbeikommt und sie rettet. Dabei stellt sich nebenbei heraus, dass Christian gerade Anas Firma gekauft hat und vermutlich ihren Chef für dieses Ana-Angraben entlassen wird, fantastisch! Wie im echten Leben halt. Und dann gehen sie zu Ana, um, na was wohl, etwas zu essen, denn Ana sieht total dünn aus. Weil sie aber nichts zu essen im Haus hat, müssen sie vorher in den Supermarkt. Ha, Christian Grey, mysteriöser Herzensbrecher aller Frauen und superreicher Industrie-Magnat in einem Supermarkt, wie witzig das aussieht! Total super! Haha! Kurzum: Es wird gegessen, dann gibt es Blümchensex und schon steht da wieder ein Satz wie „As sanity returns, I open my eyes and gaze up into the face of the man I love.“ Jaja, wir haben’s kapiert.

Achso, ganz vergessen: Natürlich fällt Ana plötzlich ein, dass sie ja von dieser Unbekannten angesprochen wurde. Und natürlich weiß Christian, was es damit auf sich hat. Eine seiner Ex-Sklavinnen ist letztens in Christians Wohnung eingebrochen und hat damit gedroht, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Wichtige Information: Diese Ex-Sklavin hat übrigens auch Toxic von Britney Spears auf Christians iPod gepackt. Und jetzt sucht er sie mit seinem ganzen Gefolge, um sie vor sich selbst und Britney Spears zu beschützen. Aber erstmal ist am Abend eine große Wohltätigkeitsveranstaltung, organisiert von Christians Mutter. Und da müssen sie hin. Weil Ana aber wie ein Mopp aussieht, muss sie vorher noch zum Friseur und Christian hat da eine Idee. Er bringt sie in einen Schöheitssalon, in dem er sich auffällig selbstsicher bewegt. Ana soll das volle Programm bekommen, während Christian mit einer mysteriösen redet. Wer ist das? Oh nein! Sie ist es! Natürlich! Es ist Mrs Robinson! Wir erinnern uns: Mrs Robinson hat sich den jungen Christian damals als Sexsklaven gehalten und Ana ist, seit sie davon weiß, total wütend auf Mrs Robinson. Sie wird total böse und stürmt aus dem Laden, Christian hinter ihr her, dann macht sie ihm mitten in der Einkaufsstraße eine riesige Szene: Wie kann er nur noch immer Kontakt zu dieser Alten haben? Was will diese Pädophile denn? Sie soll kommen, Ana macht Einzelkampf! Und Christian tut, was jeder verständnisvolle Freund tun würde: Er legt Ana über seine Schulter und trägt sie weg, sehr zu Verwunderung der übrigen Menschen auf der Straße, lol.

Okay okay, war ein Fehler mit dem Wegtragen. Aber Christian ist natürlich auch total durcheinander, denn die Unbekannte, die übrigens Leila heißt, hat sich gestern einen Waffenschein ausstellen lassen. Jetzt wird’s interessant! Christian stellt Ana sofort Personenschützer an die Seite. Und weil sie immer noch wie ein Mopp aussieht, kommt noch schnell ein Friseur vorbei. Übrigens: Christian verdient laut eigener Aussage ca. 100.000 Dollar pro Stunde, also soll Ana mal bitte nicht so eine Welle machen, wenn die Kleider, die er für sie hat einkaufen lassen, mal eben 5.000 Dollar gekosten, okay? Danke. Dann noch kurz ein bisschen Blümchensex (Christian hat Ana mit Lippenstift seinen Körper markieren lassen, damit sie immer weiß, wo sie ihn anfassen darf und wo nicht, wow!), Liebeskugeln rein und dann ab zu Muttis Party.

Der Wohltätigkeitsball ist übrigens ein Maskenball. Das heißt, die Schickeria aus Seattle wirft sich in teure Klamotten und besorgt sich dazu überteuerte Masken, die sowieso nicht von der eigenen Identität geheim halten. Aber naja. Es ist total super dort, alle finden Ana toll und Ana sieht auch total super aus. Außerdem finden alle Christian toll, wer hätte das gedacht? Die meisten Leute hatten ja schon befürchtet, Christian hätte schwul sein können, so quasi voll abnormal und so. Bei der Veranstaltung gibt es zahlreiche Auktionen. Zum Beispiel muss jeder Mann etwas von sich versteigern. Manche versteigern ein Wochenende auf ihrem Golfplatz oder so. Christian versteigert einfach ein Wochenende mit sich selbst, das kommt bei den Ladies auch total gut an. Weil Ana ja sowieso von Christian ausgehalten wird total selbstbestimmt ist, ersteigert sie mal nebenbei eben jenes Wochenende für 24.000 Dollar, haha. Dann werden Tänze mit jungen Frauen versteigert. Die meisten Mädchen bringen so zwischen 5.000 und 10.000 Dollar ein. Nur für Ana werden natürlich 100.000 Dollar geboten. Und von wem natürlich? Ganz richtig, von dem Mann, für den das ein Stundenlohn ist. Wie gesagt: Wenn jemand 100.000 Dollar für einen Tanz mit dir ausgibt, dann muss es einfach eternal love sein. Eternal love, die dann doch nochmal von Mrs Robinson gestört wird, die Ana droht, sie solle ihren armen Christian nicht noch einmal verlassen und derart verletzen, denn sonst bekäme sie es mit Mrs Robinson höchstpersönlich zu tun. Oh weia!

Okay, Party vorbei und einen super Abend gehabt! Tja, nur leider gibt’s zu Hause Probleme. Leila war in Anas Wohnung zu Besuch und hat dort ein bisschen herumgestalkt. Die Personenschützer sind sofort außer sich und Christian geht lieber mal selbst alles checken. Er ist so ein wunderbarer Mann! Als alles safe ist, legt sich Ana schließlich ins Bett, Christian ist derart beschäftigt, dass er noch wach bleibt. Ana schläft unruhig und als sie erwacht, erkennt sie einen Schatten im Zimmer. Sie geht zu Christian und sagt, dass er mit ins Bett kommen soll, ohne ihn ist alles doof, Haus doof, Sonne doof, Bett doof und so weiter. Sie gehen zurück ins Schlafzimmer und OH MEIN GOTT! das Fenster steht offen. Der Schatten muss also doch nicht nur Einbildung gewesen sein.

Liebe E L James: Ich gebe zu, die Story mit der Stalkerin ist ganz nett. Bisschen billig weil total vorhersehbar, aber nett. Dass Sie ansonsten über das übliche Christian-so-mysteriös und Ana-so-saudumm mal wieder nicht hinaus kommen, ist schon ein bisschen nervig. Mein Arzt und ich sind uns mittlerweile einig, dass meine Migräne vermutlich auch zu großen Teilen von ihren ‚Romanen‘ ausgelöst wird. Vielen Dank dafür.

In Kategorie: Kritikaster

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