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50 Shades of nee, ey [3]

Was gehypte Literatur angeht, bin ich ein Mainstreamer vor dem Herren. Ich musste einfach Twilight und The Hunger Games lesen. Jetzt also die 50 Shades-Trilogie. Viele Leute haben bereits darüber gesprochen und geschrieben, obgleich ich bezweifle, dass viele von ihnen sie überhaupt gelesen haben. Das mache ich anders. Ich lese sie. Und damit man einen Eindruck davon bekommt, was ich dabei durchlebe, hier mein gestückelter Erfahrungsbericht.

Wir befinden uns bei Teil 1 – 50 Shades of Grey (englische Ausgabe), Kapitel 11 bis 17 (61%).

Hier geht’s zu (Buch 1) Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Hier geht’s zu (Buch 2) Teil 5, Teil 6, Teil 7.

Hier geht’s zu (Buch 3) Teil 8, Teil 9, Teil 10.

Achtung, Spoiler:

Als Anastasia wieder zu Hause ist, öffnet sie den dicken Umschlag, den sie von Christian Grey erhalten hat (immer noch mysteriös und gutaussehend). Darin befindet sich der zehn Buchseiten lange Vertrag, den Anastasia unterzeichnen soll, damit Christian Grey sie endlich besitzen darf. Der Inhalt lässt sich grob so zusammenfassen: 1) Es geht hier um Entdeckung der eigenen Sinnlichkeit und solches Zeug 2) Weil es eben aber doch nicht nur darum geht, behalten wir das lieber für uns 3) Wir haben übrigens keine Geschlechtskrankheiten 4) Und dabei soll es auch bleiben 5) Der Dominator (Christian) darf für mindestens 3 Monate immer von Freitag bis Sonntag mit Ana machen, was er will. Zwar ist er für ihr Wohlergehen, Training und ihre Gesundheit verantwortlich, aber natürlich nur, damit Ana auch fit für Christians Disziplinarmaßnahmen ist 5) Was für ein Glück: Christian darf Ana nicht an einen anderen Dominanten verleihen, haha 6) Anas Rolle ist wesentlich eindeutiger: Sie hat, ohne nachzudenken, alles zu tun, was Christian von ihr verlangt, darf ihn nicht anfassen, ihm nicht in die Augen sehen und um Himmels Willen nicht schwanger werden. Außerdem muss sie ihn ständig mit „Sir“ oder „Mr Grey“ ansprechen und darf sexuelle Handlungen allein mit Christian Grey vollführen. 7) Sicherheitswörter sind „Yellow“ für „Alter, alter, alter, bist du bekloppt?“ und „Red“ für „Nee, vergiss es, lol, das mach ich niemals! Geh weh, du Verrückter!“ – Dann gibt es noch die bereits besprochenen Hard und Soft Limits, sowie einen lustigen Schmerzfragebogen, den Ana ausfüllen soll. Darin geht es um Fragen wie: „Wie viel Schmerz auf einer Skala von 1 bis 5 magst du?“ oder „Hast du etwas gegen Genitalklemmen?“, „Wie sieht’s aus mit Fisten oder Caning?“ 8) Uiuiui.

Anas inner goddess, die neuerdings alle Geschehnisse kommentiert (the fuck?), gefällt das nur so halb. Ein leichter Klapps auf den Po okay, ist zwar ein bisschen demütigend, aber immerhin noch besser, als ausgepeitscht zu werden. Vielleicht, so denkt Ana, sollte sie das wirklich nicht mitmachen. Ihre inner goddess hüpft vor Stolz (the fuck?). Aber Sex allein würde Christian Grey bestimmt nicht mitmachen, dafür ist er einfach zu mysteriös. Zwickmühle!

Glücklicherweise kommt am nächsten Tag erst mal wieder ein neues Geschenk an. Christian Grey hat Anastasia ein Macbook gekauft, das noch nicht mal auf dem Markt ist. Nein, es ist sogar so krass, dass es der Technik ca. 10 Jahre voraus ist. Und natürlich wird es direkt aus den Apple-Laboratorien geliefert. Warum schenkt Christian Ana so einen teuren Laptop? Klarer Fall: Er will ihr eine Email schreiben, lol.
Natürlich findet Ana das Geschenk wieder nicht so cool, aber trotzdem schreiben sie sich jetzt dauernd hin und her, sodass Ana direkt wieder vergisst, dass Christian Grey sie ja eigentlich nur auspeitschen möchte. „Aber hey, er hat mir gemailt, wie süß. Treffen wir uns doch einfach noch mal.“

Eigentlich sollte Ana ja auch ein bisschen Research machen, um sich ein Bild machen zu können, wie man einen menschlichen Po allein mit einem Stock oder einer Peitsche zurichten kann. Als sie es dann nach unzähligen „Nein du hörst zuerst auf, mir zurück zu schreiben!“-Mails tatsächlich mal bei Wikipedia eingibt, oh Gott oh Gott! Aber ein bisschen heiß findet sie es natürlich auch. Trotzdem schreibt sie Christian aus Spaß eine Mail à la „Okay, hab’s mir angeschaut, war schön, dich kennengelernt zu haben!“ Logischerweise versteht Christian Grey da keinen Spaß und zack! steht der kleine Stalker wieder vor der Haustür, weil er Ana daran erinnern will, wie toll es ist, ihn zu kennen. Dann fesselt er sie mit einer Krawatte ans Bett und bringt ihre inner goddess zum Glühen, pfui.

Als Christian weg ist, kommt Kate herein und Ana weint erst mal ein bisschen, weil die Situation so verfahren ist. Ganz anders als zwischen Kate und Christians Bruder Elliot, der weitaus normaler geblieben ist und am Wochenende sogar beim Umzug von Kate und Ana nach Seattle helfen wird (Christian, der alte Charmeur, wird übrigens einen Luftballon in Form eines Helikopters und eine Flasche Champagner schicken, lol). Trotzdem beschließt Kate, dass Christian Grey Bindungsangst hat und Ana wird für die kurze Zeit sehr unsicher, ob das mit Christian wirklich funktionieren könnte. Egal, denn da kommt auch schon wieder Email und die selbstsichere Ana wirft mal wieder alle Bedenken über den Haufen. Wie im echten Leben.

Weil Ana so verdammt selbstsicher ist, bretzelt sie sich für das erneute Treffen mit Christian Grey am Abend total auf. Und weil sie so verdammt tough ist, hat sie sogar durchgesetzt, in ihrem eigenen Auto hinfahren zu dürfen, krass! Beide treffen sich in jenem Hotel, in dem Christian Grey immer noch zu wohnen scheint. Natürlich hat Christian einen privaten Essensraum. Und weil er so verdammt reich ist, gibt es natürlich Austern und Kabeljau. Und natürlich muss er der kleinen dummen Anastasia erst mal beibringen, wie man richtig Austern isst. Dann gehen sie kurz ein paar letzte Punkte des Vertrags durch (schon wieder!), bis sich Ana gedankenverloren auf die Lippe beißt und Christian Grey sie am liebsten direkt hier auf dem Tisch nehmen würde. Aber Ana bleibt hart und besteht darauf, in ihrem rostigen VW Beetle nach Hause zu fahren. Christian ist nicht überzeugt und dreht ihr immerhin sein Jacket an, weil Ana trotz ihrer unglaublichen Härte zu frieren beginnt. Und wer bis hierhin aufgepasst hat, der weiß schon jetzt, was das nächste Geschenk für Ana sein wird.

Am nächsten Tag ist graduation day. Kate hält die Abschlussrede, Anas Stiefvater Nummer 2, der irgendwie jener Stiefvater ist, zu dem sie die größten väterlichen Gefühle hat (häh?) wird da sein und auch Christian Grey wird sich als großer Unterstützer der Universität bei der Preisverleihung die Ehre geben. Weil Kate Christian Greys Bindungsängste heilen will, erzählt sie Anas Stiefvater Nummer 2, dass Christian Grey Anas Freund ist. Weil Christian aber so wortgewandt, so einnehmend und darüber hinaus auch noch Ahnung vom Fliegenfischen hat, überzeugt er Stiefvater 2 nahezu mühelos von seinen Boyfriend-Qualitäten. Auch Ana, die Kates Aktion zuerst ein bisschen doof findet, denkt bereits wieder, dass das mit Christian und der eternal love und Zusammenziehen und Kinderkriegen vielleicht doch klappen könnte. Als dann aber Christian wieder total böse wird, weil Ana seine letzte Email nicht beantwortet hat, in der es wissen wollte, ob sie mit dem alten Auto tatsächlich sicher nach Hause gekommen ist, schwindet ihre Hoffnung. Christian ist eben doch ein echter Haudegen. Ana ist verwirrt. Und stimmt deshalb einfach schnell dem Vertrag zu. Wie im echten Leben.

Damit Ana noch verwirrter ist, kommt am Abend natürlich Christian mit einer Flasche Schampus vorbei. Einen nagelneuen Audi hat er übrigens auch mitgebracht, was für ein Zufall. Ana hat schon wieder nichts gegessen und Christian ist kurzzeitig ziemlich angepisst. Bei der graduation hatte er kurz davon erzählt, dass er deshalb so viel aufs Essen hält, weil es in seinem Leben auch mal eine Zeit gab, wo er habe Hunger leiden müssen. Zum Glück ist er jetzt unendlich reich. Wow, er ist so mysteriös, denn natürlich verrät er nicht, warum das damals so war. Weil es noch nicht nervig genug ist, gehen die beiden nochmal den Vertrag durch (jaja, Spielzeuge sind okay; Fisten nicht; Fesseln geht klar, darf aber nicht wehtun; beim Strangulieren bitte nicht zu doll; wenn du geknebelt bist und nicht sprechen kannst, benutzt du eben Handzeichen). Und dann zeigt Christian Grey plötzlich seine total sensible Seite, indem er Ana einmalig erlaubt, die Kontrolle zu übernehmen und mit ihm zu machen, was sie will (okay, T-Shirt bleibt an, weil Anfassen geht gar nicht). Anas inner goddess spielt verrückt.

Nachdem sie fertig sind, will Christian Grey gehen, denn, wie wir wissen, schläft er ja nicht zu zweit in einem Bett. Christian zählt übrigens mit, wie viele Orgasmen Ana bisher hatte. Sechs. Oh nein, da muss Ana ihm gestehen, dass da etwas im Schlaf passiert ist, doch das geht für Christian gerade noch so klar. Trotzdem soll Ana jetzt langsam mal unterschreiben, schließlich hat dieses Hin- und Hergewinde überhaupt keinen Zweck und selbst, wenn Ana nicht unterschreiben sollte, würde Stalker-Christian sie ja eh finden (oho!). Und dann passiert es: Ana verdreht die Augen. Und das kann Christian Grey gar nicht ab. Ein Glück, dass Kate gerade nicht da ist, denn jetzt wird Ana mal so richtig der Hintern versohlt. Und nicht nur so ein bisschen, sondern so lang, bis das mit dem Sitzen nicht mehr so recht funktionieren will. Willkommen in Christians Welt. Achtzehn mal hat er seine Hand auf Anas Hintern verewigt. Weil er aber doch total mysteriös ist, reibt er sie anschließend noch mit Babyöl ein und rauscht dann nach Hause. Ana ist total verwirrt. War das jetzt cool oder nicht? Sie ruft ihre Mutter an, weint ein bisschen, dann kommt Kate und Ana weint noch mehr. Vielleicht kann sie Christian Grey ja doch nicht ändern. Wobei sie ihn ja eigentlich gar nicht ändern will. Aber irgendwie doch. Ach, es ist zum Heulen. Und dann schreibt sie Christian Grey eine Email, dass sie ihn für heute nicht mehr mag, weil er ja nie die Nacht über bei ihr bleibt. Und dann weint sie wieder.

Natürlich kommt Christian dann vorbei, Kate flippt kurzzeitig aus und will ihn unbedingt davon abhalten, Ana zu sehen. Aber weil Ana so viel Selbstbewusstsein hat, darf Christian natürlich trotzdem rein und irgendwie war ja auch alles nicht so schlimm. Weil Christian so sensibel und einfühlsam ist (okay, er will Ana vielleicht dauernd bestrafen und ihr wehtun, aber er hat ja auch eine total sensible Seite!), bleibt er sogar über Nacht, wow! Und das ist ja mal wirklich das Allerallerbeste! Ana hat Christian Grey geändert, yes!
Am nächsten Tag ist Anas letzter Arbeitstag im Baumarkt. Weil Christian will, dass Ana ständig erreichbar ist, schickt er ihr spontan ein BlackBerry dorthin, haha. Am Abend packen Kate und Ana ihr Zeug für den Umzug nach Seattle. Danach geht sie mit José, der sie damals an der Bar versucht hatte zu küssen, noch etwas trinken, denn mittlerweile ist wieder alles voll casual und cool zwischen ihnen. Wenn es doch nur mit Christian Grey so wäre! Der hat übrigens für kommenden Sonntag für Ana einen Termin bei Seattles Star-Gynäkologin in seiner Wohnung ausgemacht (lol), sicher ist sicher. Die neue Wohnung in Seattle (Stadtzentrum, Parkett, Blick über die ganze Stadt – ganz normaler Standard für zwei Absolventinnen ohne Job) ist super, vor allem, weil Kate jetzt erst mal zwei Wochen lang weg ist und Christian in der selben Stadt wohnt. Als Ana zum Gynäkologinnen-Termin bei Christian erscheint (natürlich im Cocktailkleid und ihn High Heels), schlägt dieser vor, dass Ana ihn am Abend zu einem Essen begleiten solle. Er wolle sie jetzt seiner Familie vorstellen. Oh! Mein! Gott! Was wird Anas inner goddess dazu sagen?

Liebe E L James, bin ich der Einzige, den es beunruhigt, dass Anastasia Steele neuerdings ständig von ihrer inner goddess spricht? Hat jeder Mensch eine inner goddess und bin nur ich völlig verrückt oder welchem Kult wird gehuldigt? Ehrlich, ich finde es komisch, wenn ich mir vorstelle, wie die Frau dort an der Haltestelle gerade mit ihrer inner goddess diskutiert, ob die khakifarbenen Caprihosen tatsächlich eine gute Wahl waren. Schade übrigens, das Sie Anastasia so viel Rückgrat verpasst haben, wie einem Schluck Wasser in einer Kurve. Denn eigentlich hat sich Anas ganzes Leben schon nach drei Wochen vollständig auf Christian Grey ausgerichtet und alles, was sie sich wünscht, ist eternal love, ihn endlich mal anfassen zu dürfen und zu erfahren, warum Christian Grey früher mal hungern musste. Und auch die toughe Kate ist immer nur so lange tough, bis ihr Kumpel Elliot am Start ist. Aber hey, solang die inner goddess nichts dagegen hat?!

In Kategorie: Kritikaster

10 Kommentare

  1. Pia

    Ohje ich darf das nicht auf der Arbeit lesen. Ich glaube, ich weine gerade ein bisschen vor Lachen. Aber: ich glaub‘ ich hab’s überlesen – sieht Christian Grey eigentlich gut aus? Oder eher so mittelmäßig?

  2. lisa

    Sehr gute Zusammenfassung!
    Hab mich richtig amüsiert. Das Buch hab ich zwar nicht gelesen, aber den Film gesehen.
    Und es war nur zum totlachen.. Zu viele Klischees, alles viel zu vorhersehbar und haben sie Mr. Grey die Synchronstimme von Edward verpasst?

    Insgesamt ein sehr trashiger Film / trashiges Buch.
    Keine Ahnung was Millionen Fans daran finden. Haben die alle keine Phantasie?

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