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50 Shades of nee, ey [10]

Was gehypte Literatur angeht, bin ich ein Mainstreamer vor dem Herren. Ich musste einfach Twilight und The Hunger Games lesen. Jetzt also die 50 Shades-Trilogie. Viele Leute haben bereits darüber gesprochen und geschrieben, obgleich ich bezweifle, dass viele von ihnen sie überhaupt gelesen haben. Das mache ich anders. Ich lese sie. Und damit man einen Eindruck davon bekommt, was ich dabei durchlebe, hier mein gestückelter Erfahrungsbericht.

Wir befinden uns bei Teil 3 – 50 Shades Freed (englische Ausgabe), Kapitel 20 bis Ende (100%).

Hier geht’s zu (Buch 1) Teil 1, Teil 2, Buch 3, Teil 4.

Hier geht’s zu (Buch 2) Teil 5, Teil 6, Teil 7.

Hier geht’s zu (Buch 3) Teil 8, Teil 9, Teil 10.

Achtung, Spoiler:

OH. MEIN. GOTT. Kein Witz, Ana ist tatsächlich schwanger. Aber sie wollte doch gar nicht schwanger werden? Also noch nicht! Und wie konnte das denn überhaupt passieren? Könnte es vielleicht daran liegen, dass man diese Verhütungsspritze regelmäßig kriegen muss? Nein, oder? Wirklich? Krass, das wusste Ana natürlich nicht. Okay, ein bisschen daran Schuld ist wohl auch ihre Assistentin Hannah, die einfach willkürlich Arzttermine verschoben hat, aber sei’s drum, Christian, der Gutaussehende, wird komplett ausrasten, nur für’s Erste muss er ja nichts davon wissen. Und deshalb redet Ana einfach erst einmal den Rest des Tages nur noch total einsilbig mit Christian und schwört dabei Stein und Bein, dass wirklich überhaupt nichts los sei und er sich mal bitte keine Sorgen machen solle, denn es sei, wie gesagt, überhaupt nichts los und sie verhalte sich auch überhaupt nicht anders als sonst.

Als Christian es dann doch noch erfährt, weil Ana gütigerweise nach dem tausendsten Nachfragen doch mal sagt, was Sache ist, lässt sich seine Reaktion bezüglich der vergessenen Verhütungsspritzen am ehesten so beschreiben:
job

Natürlich sagt Ana, dass sie das selbst nicht gewollt hat, will aber auch ihre Assistentin Hannah nicht verpetzen, weil Christian sie natürlich sofort halbieren und dann auf die Straße werfen würde. Also lässt sie Hurricane Christian über sich fegen und wartet geduldig, bis ihr Ehemann (gutaussehend, sehr reich, nur leider gerade etwas wütend) aus der Wohnung stürmt (hihi).

Na klasse, Christian ist weg und Ana und die Blase, so nennt sie das, was gerade in ihrem Bauch heran wächst, sind allein zu Haus. Erst spät nachts kommt Christian, voll wie ein Primark im Schlussverkauf, wieder heim und fällt sofort ins Saufkoma. Wo war er nur? Ana ist ratlos. Und tut deshalb das, was jede treue Ehefrau tun sollte: Sie stöbert auf seinem Handy herum und liest seine SMS. Und findet eine Nachricht von Mrs Robinson! TAM TAM TAM TAAAM!

Sehen wir einmal von der Dreistigkeit ab, dass Ana Christians Handy durchstöbert und Christian, Multimilliardär und Anführer eines Konzernimperiums offensichtlich zu doof ist, eine Pinabfrage in seinem Telefon einzustellen: Christian hat sich mit Mrs Robinson getroffen, oh mein Gott! Mit jener Frau, die Ana so abgrundtief hast, weil Christian von ihr in die Geheimnisse der BDSM-Kunst eingeweiht wurde und lange Zeit ihr kleiner Gespiele war. Ana ist außer sich. Wie konnte er nur? Sich gerade mit jener Frau treffen, die Ana so gar nicht mag? Sofort bricht für Ana eine Welt zusammen. Bestimmt liebt er sie in Wirklichkeit gar nicht. Bestimmt hat er sie nur aus Spaß geheiratet. Ach, der arme Christian, dabei liebt ihn Ana doch so sehr! Und weil Ana ja so toll ist, liest sie auch gleich noch Christians Emails und sucht nach Hinweisen, ob er öfters mit Mrs Robinson kommuniziert. Nur leider leider findet sich keine einzige Mail von Mrs Robinson. Alles, was Ana findet, ist eine Mail von Christians persönlichem Hacker (ja!), der ihm auflistet, was sich auf Jack Hydes, Anas ehemaligem verrückten Boss, Computer befand, nämlich haufenweise Artikel über und Fotos der Familie Grey. Aber Ana checkt natürlich nicht, was das bedeuten könnte, ja ja. Stattdessen campiert sie im BDSM-Zimmer und schickt Christian eine SMS, ob Mrs. Robinson vielleicht dabei sein soll, wenn sie darüber diskutieren, wie die SMS von ihr auf sein Handy kam. Ach Ana…

Weil Ana total erwachsen ist, spricht sie auch am Morgen nicht mit Christian und zieht sich absichtlich total knappe Klamotten an oder rennt in High Heels und Unterwäsche andauernd an Christian vorbei, um ihn scharf zu machen, ihn dann aber doch nur anzumeckern. Noch immer glaubt sie nicht, dass er ursprünglich zu Doktor Flynn, seinem Superpsychologen, gehen wollte, der aber nicht da war und er letztendlich irgendwie im Salon von Mrs. Robinson gelandet ist, mit der er dann Wein trinken und ihre Freundschaft ein für alle mal beenden war. Also geht Ana erstmal arbeiten, ohne sich zu verabschieden. Weil Christian auch total erwachsen ist, kommt er dafür am Abend erst nach Hause, als Ana schon schläft und geht am darauffolgenden Morgen wieder, bevor sie aufwacht. Zumindest Mrs. Jones, die Haushälterin, findet das superwitzig.

Christian muss dann plötzlich unbedingt nach Portland fliegen. Na, ist dieser dramatische Kunstgriff tatsächlich Zufall oder haben wir in „Die Schule des Schreibens“ gelernt, dass man so ganz sicher übelst viel Spannung aufbauen kann? Ana kann übrigens nur noch Lachs-Bagels essen, weil sie ja schon total schwanger ist mit der „Blase“ (ekelhafter Begriff). Und dann passiert es! Mia, Christians kleine Schwester ruft an. Aber Mia ist nicht am Telefon, als Ana rangeht, sondern Jack Hyde! OH. MEIN. GOTT.

Wie dem auch sei: Wo sich Christian und Ana normalerweise 50 Seiten lang ihrer Liebe versichern, wird Ana jetzt mal eben auf 15 Seiten in eine Entführung verwickelt. Und zwar hat Jack Hyde Christians Schwester Mia entführt und möchte jetzt fünf Millionen Dollar für sie haben. Weil Christian nicht da ist, schleicht sich Ana mit Christians Wumme aus der Wohnung fährt zur Bank. Dort hebt sie fünf Millionen Dollar ab. Leider ruft der Bankchef vorher Christian an und petzt, obwohl er das überhaupt nicht müsste, immerhin ist Ana seine Ehefrau. Weil Jack Hyde gedroht hat, Mia umzubringen, falls Christian von der Sache erfährt, erzählt Ana Christian bei dessen Kontrollanruf, dass sie ihn gerade verlässt und fünf Millionen Dollar mitnimmt. Haha. Tja, so schnell kann’s gehen. Dann wird Ana von Jack Hydes ehemaliger Assistentin Elizabeth abgeholt, die mit ihm unter einer Decke steckt. Als sie zur Geldübergabe aufeinander treffen, wird Ana von Jack umgehauen, hat ganz doll Angst um die Blase, zieht ihre Knarre, drückt ab und verliert das Bewusstsein. Wie gesagt: Alles auf 15 Seiten.

Natürlich erwacht Ana wieder. Und alle sind ganz glücklich und so weiter. Ana ist so toll. Wie sie überhaupt gefunden wurde? Nun, natürlich ist ihr Auto mit einem GPS-Sender ausgestattet. Und in den Geldtaschen hatte Ana ihr Telefon versteckt, damit Christian es orten konnte. Ein Wunder! Jetzt ist auch alles wieder gut zwischen den beiden. Es ist die wahre, einzige Liebe. Und die Blase (brr) finden sie jetzt auch richtig klasse. Jack Hyde ist übrigens im selben Krankenhaus. Ana hat mit ihrem Schuss natürlich getroffen, denn ihr Vater war bei der Army. Nur ein bisschen übel zugerichtet sieht sie aus, als sie wieder nach Hause darf.

Von der Polizei erfährt Ana anschließend, dass Elizabeth deshalb Jack Hydes Komplizin war, weil er sie mit einem Sexvideo erpresst hat. Und weil Jack Hyde offensichtlich ein Freund der härteren Gangart ist, macht Christian eine schaurige Feststellung: Er und Jack Hyde sind genau gleich. War da nicht etwas mit Detroit? War Jack Hyde nicht auch in einem Waisenhaus, genau wie Christian? Mysteriös, mysteriös! Leider erinnert sich unser bildhübscher Milliardär nicht an seine Zeit in der Autostadt. Erst als Christians persönlicher Hacker ein paar Bilder vorbei bringt, wird es krass: Christian und Jack Hyde waren in genau derselben, temporären Pflegefamilie! Und nur durch Glück wurde Christian von den Greys wegadoptiert und nicht Jack Hyde! Das meinte er also, als er zu Ana sagte, es hätte er sein können! Ana bestellt sofort den Familienrat ein und alle kommen. Ist das nicht herrlich? Alle sind sie da und finden sich klasse, halten zusammen und sind eine starke Familie, die den armen, von Sorgen geplagten Christian auffängt. Wie dankbar alle Ana sind. Sie ist so ein wunderbarer Mensch!

Und dann erzählt Christian sogar noch, wie er Mrs. Robinson kennengelernt hat. Krass, Ana hat es endlich geschafft, ihn umzuerziehen! Und weil sie eben Ana ist, weiß sie nun auch gar nicht mehr, ob sie das überhaupt hören will. Also eigentlich ja. Aber andererseits auch nein. Also ja. Oder nein. Sie weiß es nicht, aber Christian erzählt ja eh, aufgepasst:
Christian war als Junge ein totaler Raufbold. Irgendwann arbeitete er bei Mrs. Robinson im Garten und sollte dort irgendwelchen Müll beseitigen, damit er sich neues Bier kaufen konnte (ja wirklich, immerhin war er ein Raufbold!), als plötzlich Mrs. Robinson kam und mit ihm sprach. Christian, voll der Raufbold, gab eine schnippische Antwort, woraufhin sie ihn ohrfeigte und dann mit ins Bett nahm. Klassischer Softporno und so weiter. Das Krasse jedoch war: Der bildhübsche, aber natürlich innerlich total verunsicherte Christian, geboren von einer Crackhure und dann abgeschoben ins Waisenhaus, war derart verunsichert, dass er nicht mal die Offerten der gleichaltrigen Mädchen annehmen konnte (und es gab viele, ooooooooh gab es viele!). Immerhin wollten die ihn dauernd anfassen, weil er so makellos aussieht, nur anfassen ist mit Christian eben nicht, weil er doch immer geschlagen wurde. Nur Mrs. Robinson fasste ihn nie an. Oder haute ihn eben so ein bisschen und das fand Christian super. Und so blieb das dann eine Weile, bis eben Ana kam und alles änderte. Ach Ana. Und jetzt, mit Ana, ist natürlich alles anders. Christian hat gemerkt, dass Mrs. Robinson nur eine Stufe in seinem Leben war, die durchaus wichtig war, aber nichts, worauf er beharren sollte. Mit Ana hat er sich jetzt vervollkommnet und alles ist toll. Das hat er auch Mrs. Robinson an diesem Abend vor der Entführung erzählt und sie fand das okay. Und deshalb sehen sie sich jetzt wirklich niemals mehr und alles ist wunderbar. Christian ist geheilt und Ana der beste Mensch der Welt, Wahnsinn.

Wer jetzt noch nicht auf die Tastatur gebrochen hat, der hat wirklich einen sehr schlechten Geschmack und sollte vielleicht mit dem Finger nachhelfen.
Am nächsten Tag fahren Christian und Ana zu ihrem neuen Haus. Wie ist es wohl, raten Sie mal. Ganz richtig, es ist das wunderbarste Haus der Welt. Man könnte speien vor Freude. Nebenbei ruft dann wieder einer von Christians Sicherheitsleuten an und klärt auch das letzte Detail der Ära Jack Hyde auf: Wie kam Jack Hyde eigentlich wieder auf freien Fuß, nachdem er doch schon einmal nach dem Einbruch in Christians Wohnung verhaftet wurde? Nun, jemand hat die Kaution bezahlt. Und dieser jemand war der Mann von Mrs. Robinson, der sich endlich mal dafür rächen wollte, dass seine Frau und dieser Christian, naja. Unglücklicherweise gehört Christian die Firma von Mr. Robinson (eigentlich heißt er Lincoln, aber das ist wurscht), weshalb der mal eben die komplette Führungsetage feuert und den armen Mann mit ein paar Aktienspielen total arm macht. Witzig. Dann ist wieder alles wunderbar und toll. Wie gesagt: Christian ist jetzt kein BSDM-Typ mehr. Aber er und Ana wollen natürlich weiter miteinander spielen. Ende. Pfui.

Denkt man, bis einem auffällt: Fuck, es gibt einen Epilog.
Ana und Christian sind Eltern. Sie haben einen Jungen namens Ted und spielen mit ihm im Gras. Er ist mindestens so hübsch wie Christian und haargenau so stur, toll und bla. Und Ana ist schon wieder schwanger. Und sie machen Schwangerensex, den Christian total toll findet, weil er jetzt „noch mehr Ana“ hat, brr. Und dann entbindet Ana ein Mädchen. Sie nennen es Phoebe. Ende.

Denkt man, bis einem auffällt: Es gibt noch einen Anhang über Christian. Aaaah.
Christian lebt erst seit kurzem bei den Greys. Sie sind sehr nett zu ihm und sie feiern sein erstes Weihnachten. Ende.

Denkt man, bis einem auffällt: Es wird noch die Szene, wie Christian und Ana zusammentreffen, aus Christians Sicht erzählt. So zum Abschluss, weil’s ja noch nicht reicht.
Christian ist total dominant, bla. Ana ist total süß, bla. Christian ist total verzaubert, bla. Ana kann nur noch an diesen mysteriösen Mann denken, bla. Ende. Endlich.

 

Liebe E L James, meine Güte. Das war wirklich das Schlimmste, was ich je gelesen habe. Ich weiß, sie haben es als Twilight-Fan-Fiction begonnen. Und tatsächlich machen sie dieselben Fehler wie Twilight und kommen erst auf den letzten 100 Seiten auf die Idee, dass man ja endlich mal wieder ein bisschen Handlung einflechten müsste. Und deshalb geht es am Ende einfach nur noch ganz ganz fix, obgleich Sie es auf Ihre unvergleichliche Art und Weise natürlich schaffen, es trotzdem unendlich belanglos und schnulzig zu schreiben.
Das Provozierendste an ihrem Ende ist jedoch die Zeile: „That’s all … for now.“
Soll das eine Drohung sein? Ich bitte Sie, vom Schreiben abzusehen. Machen Sie doch was mit Cosplay oder so. Danke.

In Kategorie: Kritikaster

11 Kommentare

  1. Danke für diese Zusammenfassung! Sie haben mich vor meinem zweitgrößten Lesefehler bewahrt. Vor ein paar Jahren hatte ich als Reiselektüre auf Anraten einer Freundin die ersten beiden Twilight-Bücher dabei. Da die Bücher nicht meine waren, konnte ich weder in sie reinkotzen noch an die Wand schmeißen. Genau das wäre mir mit Sicherheit auch bei den Shades-Büchern passiert. Also vielen Dank dafür und Hut ab, dass Sie das ausgehalten haben…

  2. Gloomy Star

    Cosplay? Oh bitte nicht! Ich will die olle Planschkuh nicht in einen Sailormoon Cosplay sehen D=
    Das Schlimmste ist aber, dass EL James ihre Fans gegen Leute aufhetzt, die ihre Bücher kritisieren. es werden sogar Frauen fertig gemacht, die selbst häusliche Gewalt erlebt haben (alá „Das hast du auch verdient“ usw.).

    Ich frage mich wirklich, wie diese Charaktere überhaupt noch geradeaus gehen können, ohne durch Dummheit sämtliche Knochen zu brechen. Wie gehirnampurtiert muss man sein, dass man einen Termin beim Frauenarzt versäumt? Oder es ständig verschiebt? Btw: Eigentlich gibt es die Dreimonatsspritze, d.h. man holt sich alle drei Monate die Spritze, sie hat auch einen „Nachteil“; Es dauert eine Weile, bis man die Regelblutung hat – ganz genau sie fällt größstenteils weg – ergo kein sofortiger Eisprung, wie es vielleicht bei der Pille passieren kann. Aber was redet ich da? EL James hält Recherche für Teufelszeug.

    Hut ab, dass Du diese Badfic(k) durchgehalten hast, André; ich krieg schon bei Anas Hohlbirnigkeit Tobsuchtsanfälle^-^° – sie ist das Sinnbild eines dummen, hirnlosen Frauchen, das hätte spätestens vor zehn Jahren aussterben sollen.

  3. Die großartige Kombination von Intellekt und Witz gebündelt mit Ironie und Menschenkenntnis lässt diese Rezension äußerst unterhaltsam und ansprechend sein – hatte viel Freude mit deiner Einschätzung. Vielen Dank dafür

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