Bazil, der vache-qui-rit-affine, leicht tölpelhafte, aber zufriedene Angestellte einer Videothek in Paris, wird eines Abends zufällig von einer Pistolenkugel in den Kopf getroffen. Die Ärzte können sie nicht entfernen, da Bazil auf diese Weise sofort sterben würde, anderenfalls jedoch kann sein Leben mit der Kugel im Kopf jederzeit abrupt vorbei sein. Mit einer tickenden Zeitbombe hinter der Stirn wird Bazil also wieder ins Leben zurück gelassen, sein Posten in der Videothek ist mittlerweile neu besetzt, seine Wohnung neu vermietet, sein Hab und Gut geklaut und er selbst ist noch ein wenig naiver, noch ein wenig unbeholfener und tolpatschiger geworden.

Ganz unten angekommen versucht er sich irgendwie auf der Straße als schlechter Pantomime durchzuschlagen und erfährt durch Zufall die Herkunft der Kugel in seinem Kopf. Überdies wird er von einer Gruppe Clochards aufgenommen, die in einem der Schrotthaufen einer Müllhalde leben und Nacht für Nacht Schrott sortieren, wieder aufbereiten und reparieren. Jedes Mitglied dieser Gruppe ist auf seine Weise speziell, da gibt es unter Anderem Calculette, die mit Zahlen so schnell wie ein Computer umgehen kann, die lebende Kanonenkugel Fracasse, den sprichtwortbegeisterten Quasi-Poeten Remington oder die Schlangenfrau Caoutchouc. So findet Bazil schnell Anschluss und reiht sich ein in diese Truppe voller Sonderlinge, die kurzum beschließt, dem Hersteller der Kugel in Bazils Kopf, einem Waffenhändler mit Sitz ebenfalls in Paris, sowie dem Hersteller jener Mine, die seinem Vater in Algerien das Leben gekostet hat und der zufällig gegenüber des anderen Waffenhändlers sitzt, das Geschäft vermasseln.

Von nun an spionieren sie so gut sie können und machen sich ihre Ticks und Fähigkeiten zu nutze, mehr und mehr an Schlagkraft zu gewinnen, immer wieder durchsetzt mit vielen kleinen Albernheiten, die ihre Charaktäre nun einmal hergeben. Gemeinsam stehen die Schrott sortierenden Clochards der Verbissenheit skrupelloser Geschäftemacher gegenüber, so naiv, dass man sich ganz von allein auf ihre Seite schlägt.


Direktmicmacs

Jean-Pierre Jeunet, für alle, die es nicht wissen, der Regisseur von "Die fabelhafte Welt der Amélie" hat auch mit Micmacs wieder einen Film gemacht, dessen Bilder für sich genommen schon sehr toll sind und der viele wunderbare kleine Ideen zu einem großen Ganzen zusammen fügt. Man denke nur als Bazils beschwörerische Fragen, die er immer wieder vor sich hin murmelt, um sich wieder der Realität zu vergewissern ("Wie oft muss man eine Treppenstufe benutzen, bis sie sich abnutzt?" etc.) oder die Kunstwerke, die Petit Pierre in regelmäßigen Abständen seinen Mitstreitern präsentiert.

Trotzdem mag es entweder an der Synchronisation gelegen haben oder an dem womöglich manchmal doch sehr eigenen französischen Humor, dass mir Bazils zeitweise Verwandlung zum Kauderwelsch brabbelnden Clown ein wenig zu weit ging und nicht so recht in das bisher von ihm gezeichnete Bild passen wollte. Wo "Die fabelhafte Welt der Amélie" noch bunt und kräftig war, ist Micmacs nicht weniger kräftig, dafür aber relativ dunkel und sepiafarben. Gleichzeitig spielt Micmacs aber nicht wie Amélie mit den "großen Themen" à la Liebe, Sinn und dem Leben an sich, sondern schrammt all das nur am Rande, vordergründig dreht es sich doch immer darum, wie eine Gruppe kauziger Gestalten mit der rationalen Welt konfrontiert wird. Natürlich wirkt wieder alles verspielt und sehr detailverliebt, aber sich als Kernthema ausgerechnet das Ausheben von Waffenhändlern vorzunehmen, empfand ich dann doch als zu großen Kontrast zur Athmosphäre des restlichen Films und ebenso zu dünn. Mit einer Amélie als Kellnerin, die ein liebevoll verschrobenes Leben führt und ihr eigenes kleines Märchen erlebt, konnte ich leben, aber ich frage mich, ob ich sie auch als kleine Jean d'Arce mit Bobschnitt gemocht hätte, die in ihrer Freizeit gegen bonihungrige Investmentbanker angeht. Auch dafür, dass man sich genau so ein Thema ausgesucht hat, ist es ein wenig zu dünn bedient und lebt mehr von der witzigen Darstellung der Kleinen gegen die Großen, mit einem Schritt zurück betrachtet gibt die Story an sich jedoch relativ wenig her und ist dafür nicht märchenhaft genug.

Es war keinesfalls schlecht, Micmacs gesehen zu haben, aber auch kein Muss. Der Film zeigt wunderbare Bilder und spielt mit vielen tollen Einfällen, ist aber in seiner Gesamtkomposition doch nicht so etwas, das man als Meisterwerk bezeichnen würde, allenfalls visuell.

Micmacs - Uns gehört Paris!
Frankreich 2009
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Buch: Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant
Mit: Dany Boon, André Dussollier, Nicolas Marié, Jean-Pierre Marielle, Yolande Moreau, Julie Ferrier, Omar Sy, Dominique Pinon, Michel Crémadès, Marie-Julie Baup
Kinowelt, 104 Minuten
Offizielle Homepage

Grand Slam of Saxony, DD

26. März 2010, Termine

 

Junge Garde, Dresden, 30.07.2010

 

Das Tragischste am Egoistischen ist, dass es das ihm anhängende respektlose Erniedrigen nicht erkennt, natürlich.

as time eats us alive

31. Juli 2010, Tribut

 


Direktpwd

The marks I left upon this world / Will wash away in time

Herzwärme

31. Juli 2010, Tribut

 

So etwas wärmt doch das geschundene Herz sehr. Nein, Quatsch, ich fand's natürlich ebenfalls sehr schön beim Grand Slam #7, auch wenn das Glück mir nicht hold war, war es ein toller Abend und 800 Zuschauer sind ein großartiges Zeichen für den Verein, irgendetwas richtig gemacht zu haben.