FH Café, Frankfurt, 21:00 Uhr
Dieses Semester mal wieder ein Einführungsmodul, das vierte, glaube ich. Zum vierten Mal lerne ich also, wie man Referate hält, wie man die Bibliothek benutzt und wie man Hausarbeiten schreibt. Natürlich alles Pflicht. Das ist schön, wenn man Erstsemester ist, aber irgendwie sinnlos, wenn man demnächst seine Bachelorarbeit schreibt.
Denn damit man nicht zum Fachidioten mutiert, hat sich die Uni etwas sehr Cleveres einfallen lassen. Wer ein guter Student sein will, der möge zusätzlich zu seinen Kernfachveranstaltungen noch Wahlbereichsveranstaltungen belegen. Da man so aber leicht zu einem 2-Fachidioten verkommen könnte, hat sich die Uni etwas noch Clevereres einfallen lassen. Wer ein guter Student sein will, muss fakultätsübergreifende Veranstaltungen und Wahlpflichtveranstaltungen aus der eigenen Fakultät belegen. Da aber so gut wie jedes Modul gleichzeitig für Kernfach- und Wahlbereichsstudierende konzipiert ist, hat man kleine Hürden errichten müssen, damit sich nicht zu viele gute Studenten für ein Modul einschreiben können. Diese Hürden bestehen meist darin, dass man bereits Einführungsmodule eines Fachs belegt haben muss, ehe man die weiterführenden Module belegen darf.
Wer nun bis hierhin folgen konnte, weiß jetzt, wieso es nicht nur selten dazu kommt, dass man viermal beigebacht bekommt, wie man Referate hält, wie man die Bibliothek benutzt und wie man Hausarbeiten schreibt. Denn dies gehört meist zu gut 50% zu Einführungsmodulen. Was sehr gut ist und nett für, wie gesagt, Erstsemester oder Menschen, die es bisher auf eher undurchsichtigen Wegen durchs Studium geschafft haben.
Nichts gegen Erstsemester, die sind toll, unverbraucht und fröhlich, lassen alles mit sich machen und sich wunderbar einschüchtern, wenn es z.B. um Anwesenheitspflicht geht, die es eigentlich nicht gibt, aber sich gegen Erstis viel leichter durchdrücken lässt als gegen böse, faule, höhere Semster. Aber ist es nicht verständlich, dass ich ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach Besseres zu tun habe, als mir dauernd das Gleiche aus nur jeweils anderen Mündern anzuhören? Das sind Luxusprobleme, mit denen afrikanische Kinder nie konfrontiert werden, möchte da sicher jemand sagen und natürlich hat er oder sie damit irgendwie Recht. Aber wenn ein neuseeländisches Schaf bisher fünfunddreißigmal von seinem Schäfer missbraucht wurde und kein Ende dessen in Sicht ist, hilft es ihm auch nicht weiter, wenn ich noch einmal lerne, dass die Wikipedia nicht ins Literaturverzeichnis gehört.
Ich weiß nicht, wem es Genugtuung verschafft, so etwas immer wieder aufs Neue durchdrücken zu wollen, aber es erinnert mich immer wieder ans gute alte SNAFU-Prinzip, das fälschlicherweise zumeist als Humor abgetan wird, aber nicht zuletzt doch einen Kern Wahrheit in sich trägt.
So etwas ist frustrierend. Und wer am Ende der Nahrungskette darunter zu leiden hat, ist nicht der Mensch, der diese ganzen cleveren Ideen hatte, sondern der arme, nichtsahnende Ersti, der mich an der Straßenbahnhaltestelle fragt, wie er am Besten zum Studentenwerk kommt und ich es nicht lassen kann, zu sagen: “Ohje, mein Freund, ganz weit weg. Straßenbahnlinie 15 Richtung Meusdorf und dann bis ganz weit raus zur Endhaltestelle!”
Farewell, dear Ersti.














