Ich stand an der steinigen Küste, an der man einen Steg gebaut hatte, der so weit ins Meer hinein reichte, dass man den Touristen erzählte, er würde durch den Nebel hindurch führen und ganz am Ende eine unvergleichbare Sicht hinüber auf die andere Seite bieten.
Und alle rannten sofort los und ihre Kameras hüpften an ihren Hälsen und die mitgebrachten Wasserflaschen schwappten in ihren Rucksäcken. Sie polterten auf den Brettern entlang, die sicher auch irgendwann morsch werden würden, aber bis jetzt bogen sie sich nur und knarrten und dann sah man sie im Nebel verschwinden, was ein bisschen befremdlich aussah.
Sie sagte, ich solle mit kommen, aber ich sagte, Nein, es interessiert mich nicht, was es dort zu sehen gibt. Sie sagte Okay und rannten ihnen nach. Ich blieb stehen.
Und auch wenn es trotzig geklungen haben mag, lag für mich nicht die geringste Trotzigkeit darin, als ich es sagte, Trotzigkeit wäre wenigstens etwas gewesen, für das es einen Grund gegeben hätte, so war es nur die traurige Wahrheit, die ich mir für einen Moment eingestanden hatte, dass es mich nicht interessierte, dass ich nicht die kleinste Neigung verspürte, zu sehen, was es dort zu sehen gab, dass es mir nicht einmal egal war, sondern dass nichts mehr in mir war, dass an irgendetwas Anteil zu nehmen suchte, sondern nur noch zusah und Momentaufnahmen auf sich nieder regnen ließ.
Ich ging früh in den Park, gegen acht stand ich auf und wusste nicht wofür. Ich sah mir das Gras an, das grüner war, als ich es bisher gesehen hatte und hörte das Ploppen der Tennisbälle auf den Tennisplätzen nebenan.
Manchmal fing es an zu regnen, aber es störte mich nicht, denn es regnete immer nur kurz, dafür oft, aber nie so sehr, als dass man zwischen den Intervallen nicht wieder hätte trocknen können.
Ich ging am liebsten Sonntags in den Park, Sonntagmorgen, wenn die Familien im Gras saßen und frühstückten und ich ihnen dabei zuschauen konnte, von weitem. Ohne dass ich als Beobachter negativ aufgefällen und vielleicht auf den Gedanken gekommen wäre, dass ich mir einfach keine Vorstellung davon machen konnte, was sie fühlten, dass ich nur denken konnte, ihr Gefühl dabei wäre gut und warm.
Nachts schrieb ich lange Pamphlete in meine Notizbücher.
Sie sagten, sie hätten eine Wohnung ganz in der Nähe und wir sollten lieber dorthin gehen, es sei zu gefährlich hier. Warum ich hier wohnte und nicht einfach im Süden oder näher am Zentrum, hier müsse man nachts auf den Straßen ja Angst haben.
Es ist nicht die Traurigkeit oder die Taubheit, die einen kaputt macht, sondern die Abwesenheit eines jeden Gefühls. Angst wäre dann nur ein Gewinn gewesen.
Ivy League, sagten sie, 50.000 Dollar im Jahr, jeweils, ihre Eltern hätten sich hoch verschuldet dafür, ich sagte Wow und dachte an rot geklinkerte Häuser mit weißen Fenster und Herbstsonne.
Sie gingen vor mir her und es wurde langsam dunkel. Der Wind kam eigentlich nie zur Ruhe, das lag am Meer, dasselbe beim Regen. Von weitem hörte man wieder die Polizeisirenen und die beiden zuckten zusammen, ich nicht. Wenn man nichts zu verlieren hat, zuckt man nicht.
Wir gingen wieder am Park vorbei und paar Studenten spielten Hurling. Die beiden rätselten ziemlich aufgebracht darüber, ob die Sirenen je nach Vorfall anders klängen. Ich wollte sagen, dass diese Idee Schwachsinn sei und so viele unterschiedliche Melodien das ganze Vorhaben ins Absurde treiben würden und dachte darüber nach, welcher arme Mensch alle Melodien würde entwerfen müssen und ich musste lachen darüber, denn Absurdes fand ich witzig.
Dann traf mich der Ball am Kopf.
You got any matches?, fragte das Mädchen und tippte mich an, sodass ich aufwachte.
Es hatte noch gar nicht geregnet und es wurde schon wieder Tennis gespielt. Die beiden anderen waren weg, ich musste die ganze Nacht auf der Bank gelegen haben.
You got any matches?, wiederholte sie und verschluckte das T dabei, sodass ich sie noch dreimal bitten musste, es zu wiederholen.
Ja, sagte ich, kramte in meiner Hosentasche nach einem Feuerzeug und hielt es ihr hin, als ich es gefunden hatte.
I asked for Matches, sagte sie und verschluckte wieder das T dabei.
Sorry, sagte ich und sah in den Himmel.
Give me the light, sagte sie und mein Kopf begann zu dröhnen.
Name’s Anny, sagte sie und zündete sich eine Zigarette an.
Ja ja, sagte ich.
Want me to get you to the nurse?, fragte sie.
Guess so, sagte ich und befühlte die riesige Beule an meinem Kopf.
Sie half mir von der Bank auf und wir gingen in Richtung des Campus’. Von weitem konnte ich wieder Sirenen hören, die in meinem Kopf übersteuerten und sich mit jedem Schritt, den ich machte, in hallendem Schmerz verloren.
Im Gras saßen ein paar Familien, deren Kindern losgelassen über die Wiese stürmten.
You should really go to the nurse, sagte sie.
I am, sagte ich und kniff die Augen zusammen.
Immerhin echter Schmerz, dachte ich.













