Mach dir nichts vor, du wirst der nächste David Foster Wallace sein. Wenn nicht, dann halt der nächste Joyce, der nächste Steinbeck, Bukowsky oder Miller. Ach, Vergleiche werden zwar kommen, aber nicht heran reichen an das, was du sein wirst. Dann wirst du milde abwinken und Interviews nur manchmal führen. Vielleicht mal eine der Buchmessen beehren und lächeln.
Du hast gut daran getan, dich voll und ganz auf dich zu konzentrieren. Haben Sie nicht alle stur gemacht, was sie wollten? Muss es so nicht sein? Du machst das ja auch nur, bis es ganz von selbst läuft. Dann nur noch, was dir wirklich etwas zu bedeuten vermag. Nicht mehr, nicht weniger.
“Wenn du’s cool findest, bist du cool, wenn nicht, bist du ein Bastard!”, haben KIZ gesagt und sollten sie nicht Recht behalten? Das Gefühl, zu den Großen zu gehören, kommt doch nicht von ungefähr. Man hat es oder nicht. Wenn sie es nicht sehen wollen, dann müssen ihnen eben spätere Generationen die Augen öffnen. O Sozialstaat! Oder die Zuschussverlage. Auch Goethe hat anno dazumal nachhelfen müssen.
Denk immer daran: die Welt wartet nur darauf, dich anzubeten. Schau sie dir genau an, wie leblos sie an den Schaufenstern vorbei schlendern, gerade noch mit so viel Platz im Herzen, dass du hinein passt wie Joanne K. Rowling. Diese Welt, vollgestopft mit Amusement und gedankenloser Unterhaltung, braucht einen, der erneut einen Meilenstein setzt. Das wirst du. Kein Zweifel. Glaub daran. Versprochen.

Flickr: und alle so yeah
Bild vom spanier via nerdcore via Flickr

Jetzt kommt sie also auch nach Leipzig. Du-weißt-schon-wer, You-know-who, jene Person, deren Namen man am Besten gar nicht mehr sagen sollte, weil er viel zu oft gesagt wird.

Schon mittags sperren sie den Bahnsteig ab. Obwohl man zuerst überhaupt keine Ankunftszeit bekannt geben wollte, gibt es jetzt wenigstens eine ungefähre. “Circa 18 Uhr”, sagt der Bahn-Mann, “Immer circa, wir sind hier bei der Bahn, da gibt’s nur circa.” Samtumwickelte, rote Absperrungen werden am Gleis geparkt.

Bei Fussballspielen geht es wenigstens um ein paar hundert Fans. Heute geht es nur um eine Person und ihren Mitarbeiter- und Begleitstab. Die Bereitschaftspolizisten schälen sich aus ihren Bussen. Hunde stecken in ihren Boxen im Parkhaus und bellen um die Wette.

Man macht sich schick. Die Leute von der Bahnsicherheit sehen fast imposanter aus, als die Polizisten, Bundesgrenzschützer und Bereitschaftler. Nur dass sie keine Schulterpolster haben, mit denen selbst die weiblichen Polizisten wie kleine Monster-Trucks anmuten, bereit, alles nieder zu wälzen, was sich You-know-who in den Weg stellen könnte.

Mit den Hunden wird erste Streife gelaufen, alles wird abgeschnüffelt, nach Sprengstoff und Menschen mit langen Bärten durchsucht. Jeder ist potentiell gefährlich. An den Geländern fläzen sich Beamte in zivil und versuchen, unaufällig zu wirken. Sie mustern alles, was vorbei läuft, Frauen meist länger, weil die werden seltener verdächtigt und sind deshalb ja gerade noch gefährlicher. Erste Rentner postieren sich.

Leute, die kurz ihre Taschen stehen lassen und zum Snackautomaten wandeln, werden schnell ermahnt, nicht wegen Diebstahl, sondern wegen Räumkommando, kost’ alles Geld, könn’wer heute nich och noch jebrauchen. Security-Leute tragen Anzüge und Knöpfe im Ohr.

Draußen parken die Limousinen. Eigentlich will sie ja laufen. Aber dass es heute morgen noch geregnet hat, ist verdächtig. Die paar Tausender machen’s jetzt auch nicht mehr. Im Vorfeld wurden Einladungen verschickt. Um Anreicherung der Zuschauerstatistik und Applaus am Ende der Veranstaltung wird freundlich gebeten.

Man muss sich das Spektakel nicht länger anschauen. Man kann es sich vorstellen. Bedeutungsschwangere Sätze fallen im Publikum: “Die sieht ja ganz normal aus!” Und alle so “Yeaahh!” Manch ein Rentner fällt vor Freude in Ohnmacht. Andere schwenken begeistert Bilder. Während Du-weißt-schon-wer nach draußen geleitet wird, winkt sie milde dem Volke zu. Selbst wenn sie wollte, könnte sich sie heute keine Normalität zu Gesicht bekommen. Und während die Schwarze so schlendert, kümmern sich draußen die Grünen um das Stammpublikum rund um den Bahnhof. Heute gilt das Hausrecht mal umso doller. Kleine Kinder werden zum Blumenstreuen abkommandiert. Ihre Eltern bekommen dafür ein Foto von Kind und Kanzlerin. Es wird einen schönen Platz überm Esstisch bekommen.

Der Leipziger Slam zieht um in die Distillery, yeay. Sie es nun also offiziell und für alle hörbar. Auf Grund von Leider-Nicht-Da-Seins-Aber-Immerhin-Beim-Teambattle-In-Berlin-Mitmachens im Oktober erstmal ohne mich, dafür aber mir exzellenten Gästen, es lohnt sich sondergleichen, hinzugehen. Hier steht alles nochmal genau: klick mich hart.

Bis dahin gibt’s morgen die Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, wieder auferstanden aus der Sommerpause. Ab 20 Uhr in der Wärmehalle Süd. Mit Jana Klar, Kurt Mondaugen, Michael Schweßinger, Hauke von Grimm und meiner Wenigkeit. Auch da dürft ihr selbstredend hinkommen.

Genug mit Werbung, bis Sonntag oder so.

Die Sommerpause ist vorrüber, die Maschinen sind aufgetankt, poliert und bereit wieder abzuheben. Julius Fischer, Christoph Graebel, Hauke von Grimm, Michael Schweßinger, André Herrmann & Kurt Mondaugen kehren als Lesebühne Schkeuditzer Kreuz zurück in die Wärmehalle Süd.

Ab jetzt sogar mit weiblicher Verstärkung: JaNaKlar, Autorin und Slam-Poetin aus Leipzig übernimmt André Kudernatschs Platz und wird offizieller Teil der Crew. Bahnbrechend! Verstörend!

All das wieder ab 18. September. Live-Erleuchtung durch die Jungs und das Mädchen, Bewusstseinsverändernde Dichtung, die bis hoch ins Zentrum donnert — Literarisches Come-Together am Connewitzer Kreuz! — Wie immer am dritten Freitag im Monat!

18.09.2009,
Ort: Wärmehalle Süd, Eichendorffstr. 7 / Ecke Karl-Liebknechtstraße / Leipzig-Connewitz
Beginn: 20 Uhr; Eintritt: 3 Euro

P.S. Verkehrsschilder haben freien Eintritt!

http://www.schkeuditzerkreuz.de/

BOMB IT THE MOVIE

Zwar soll das hier nicht zu einer Linkseite verkommen, aber auf Nerdcore gab es heute einen Artikel über eine Graffiti-Dokumentation namens Bomb It – The Movie. Diese gibt es nun gänzlich online anzusehen.

Hiermit meine absolute Anschauempfehlung: 11 verschiedene Städte und mehr als viele verschiedene Interpretationen von Graffiti. Ob Kunst oder Vandalismus, ob Styles, Pochoirs oder “bloßes” Bombing. Toll dargestellt und vermittelt, wie sich in unterschiedlichen Städten ganz unterschiedliche Verständnisse von Graffiti gebildet und entwickelt haben. Mit dabei Größen wie Blek Le Rat, MiSS-Tic, Cope2 und Mear One. Zusätzlich gibt es noch Videoportraits vieler Künstler zu sehen.

Anschauen, glücklich sein.

Bomb it- The Movie