I
Er war müde geworden, das sah man ihm an. Wie er auf dem Stuhl hing, anstatt auf ihm zu sitzen. Er hing nur, allein die Steifheit, die ihm seine Knochen gaben, hielt ihn noch zusammen. Sodass er nicht zerfloss und sich auf dem Boden verteilte, auseinanderbrach in viele kleine Kügelchen, die sich im Raum verteilen und verlieren. Da trank er Schnaps, der ihm wenigstens das Gefühl geben konnte, zu zerlaufen. Ich weiß nicht, welchen Schnaps, aber es muss billiger gewesen sein, den teuren hätte er sich gar nicht leisten können, denn er brachte ja nichts mehr fertig.
Sowieso sah man ihn selten draußen, aber wenn schon draußen, dann nur in der Kneipe, die lag bloß 50 Meter die Straße hoch und war ein gutes Alibi, um wenigstens aus dem Haus zu sein. Dort blieb er eine Weile, bis es dunkel wurde und kam erst heim, wenn niemand ihn mehr in der Küche erwarten würde. Da mussten es dann schon ein paar Schnäpse sein. Nach der Arbeit, vielleicht ab 16 Uhr, oder wenn er es wieder nicht zur Arbeit schaffte und die anderen von der Arbeit kamen, bis es dunkel war und das war im Sommer, ja, da mussten es schon ein paar sein.
Es muss dann auch schon etwas später gewesen sein, ganz sicher schon dunkel und eigentlich bald Zeit, wieder nach Hause zu wanken, mit einem kleinen Umweg, damit sich der Alkohol im Körper verteilte und nicht alles im Kopf hängen blieb. Zeit zu Gehen, hat er sicher gedacht und nur auf sich selbst gewartet, bis er fertig bringen konnte, den Rest aus seinem Glas in sich hinein zu schütten. Denn sparsam war er natürlich, wie alle, es gab nichts zu verschenken und selbst wenn es ihm egal war, verschenkte auch er lieber nichts, um nicht unnötig auffallen zu müssen.
Dort an der Bar, oder Theke, wie man sagte, Bars gab’s im Westen, die Theken im Osten, dahinter immer eine Kerstin, die die Drehung der Flasche bucchstäblich im Handumdrehen beherrschte. Dort saß er dann, mit dem Rücken zu allen, die er sich weg wünschte, oder wünschte er sich weg von ihnen, das weiß ich nicht. So oder so wäre es ja aufs Selbe hinaus gelaufen, also scheiß drauf. Er saß halt einfach da und kippte.
I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]