Hier sind sie, die neuen Flyer der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz. Gerade habe ich mir einen dicken Stapel davon abgeholt und werde ab jetzt mal wieder überall, wo ich gehe und stehe, die Welt als riesigen Komposthaufen begreifen und Flyer ablegen.
Als ich gerade eingeschlafen bin, träume ich davon, mit einem Muckibudenmann, dem ich etwa bis zur Brust reiche, in einer abgelegenen Straße zu stehen. Er trägt ein 50cm-Linieal mit sich herum, ich wiederum muss aus unerfindlichem Grund in den Fachschaftsrat abgerutscht sein, weshalb ich ihn ständig zudebattiere. Ich spreche vom desolaten Zustand der universitären Lehre, vom Korrelieren von Mittelkürzung und Prekariat, so lange, bis er ausholt und mir mit dem Ellenbogen einen Schlag gibt. Im selben Moment wache ich auf und bekomme einen Schlag an die gleiche Stelle meines Kopfes. Meine Katze will raus und hat mir deshalb eine Kopfnuss verpasst.
Wie kommt das? Ermöglicht meine Traumphase einen kodierten Blick in die Zukunft? Heißt das, dass alles, was ich träume, früher oder später in anderer Form auch passieren wird? Sagen mir meine Träume, was passieren wird und nur das “wie” variiert? Bin ich ein Medium und sollte mich bei DSF und AstroTV für das Nachtprogramm bewerben? Sollte ich eine Detektei eröffnen oder eine philosophische Praxis? Oder Politiker werden, auch wenn das offensichtlich wenig mit Weitsicht zu tun hat?
Letztens träumte ich davon, mit einem Fahrstuhl in den Tod zu stürzen. Wenn meine Theorie stimmt, werde ich also bald sterben. Nicht durch den Absturz eines Fahrstuhls, aber da gibt es andere schreckliche Wege. Zum Beispiel in einem Bus voller Rentner von den Serpentinen des Erzgebirges abzukommen, eine Klippe hinab zu stürzen und auf einem Schaf zu landen. Oder indem sich aus meinem Schnupfen eine neue antibiotikaresistente Form von Ebola entwickelt. Immerhin hätten dann auch Andere vorher träumen müssen, zu sterben (Super Identifikationspunkt für den Leser: Ich möchte nicht so großspurig sein und das Phänomen nur auf mich beziehen.).
In der Nacht darauf ging es darum, von der gesamten Polizeibelegschaft Hamburgs verfolgt zu werden. Aber das ist nichts Neues. Ich fühle mich schon jetzt verfolgt von allen. Von dem Mann, der versucht, mir unauffällig im Schreibwarenladen zu folgen, weshalb ich Angst vor ihm bekomme, er wolle nur abwarten, bis wir in einer dunklen Ecke sind, mich dann vergewaltigen oder mir Zeitungsabos andrehen, von der Konsum-Kassiererin mit der rauchigen Stimme, bei der ich immer Angst habe, ihr im Dunkeln zu begegnen und dann einen Herzinfarkt zu kriegen, wenn sie mir von hinten ihre Hand auf die Schulter legt.
Zum ersten Mal in meinem Leben jedenfalls scheint mir das Traumtagebuch sinnvoll zu sein. Ich hatte damit angefangen, weil ich kontrolliert klarträumen lernen wollte. Im Endeffekt hat es bis auf einige immer sporadisch auftretende Einzelfälle nicht geklappt. Nur dass ich hunderte Seiten ausformulierte Träume habe.
Ein wenig später knackt mein Schrank. Ob es ihm genau so geht? Hat er gerade geschlafen und davon geträumt, wie ihm ein hübsches Regal zum Knacken bringt? Wie wird es dann in Wirklichkeit ablaufen? Nicht oft passiert es, dass hier die Möbel durch die Wohnung wandern. Aber ich behalte es im Auge. Jetzt noch viel mehr als vorher. Der Kühlschrank schnarrt genüsslich vor sich hin.
Ich liege abends im Bett und starre die Wand an, auf der sich der Schatten meiner Haare tummelt. In diesem Licht sieht er aus, als hätte ich eine längst abgelaufene Portion Dosenspaghetti auf dem Kopf, die sich erst zu langen, dürren Würmen und schließlich zu großen Spinnen weiterentwickelt haben. Als ich dann versuche einzuschalfen, misslingt dies natürlich völlig, da ich nicht von dem Gedanken loskomme, wie mir Würmen und Spinnen im Schlaf in alle Körperöffnungen kriechen und unbemerkt in mir Eier legen können . Irgendwann werde ich sicher aufwachen, zur Vorlesung gehen und noch im Foyer wird eine Heerschar Ungeziefer aus meinem Brustkorb heraus brechen, alle Anwesenden befallen und die Vorlesung würde ausfallen. Und schwupps wäre ich plötzlich Schuld am Weltuntergang.
Und dann ist es wieder da. Wir werden solange mitmachen müssen, bis sie uns alle gecastet haben und wir alle irgendeiner Show zugeteilt worden sind. Der neue Wirtschaftsplan. Wenn es keine Arbeitsplätze, bzw. keine Arbeit, die sich auch finanziell lohnt, mehr gibt, kann man die Leute nur noch dadurch vorm Ausrasten bewahren, indem man sie immer abwechselndin Live-Shows demütigt. Eine Hälfte guckt zu, die andere wird gedemütigt und dann wieder umgekehrt.
Morgens stolziert die Katze ins Zimmer. Sie setzt sich vor das Fußende des Bettes und fängt an zu pumpen, sodass ihr Bauch wie der einer Bauchtänzerin immer wieder von hinten nach vorn wabert. Als sie genug Druck aufgebaut hat, entlässt sich mehrere Liter farbloser Flüssigkeit auf das Kirschholzparkett. Dann legt sie sich in gehöriger Entfernung schlafen.
Blackwater heißt jetzt Xe. Das ist eine gute Idee. Einfach umbenennen, wenn man Mist gebaut hat. Benennen wir uns auch neu. Jeden Tag. Das ist aufwändig, aber effektiv. Niemand wird es lange durchhalten, unserem Namenstanz zu folgen.
Manchmal nehme ich mir extra nichts vor, nur um zu sehen, ob sie noch bei DSDS dabei ist. Dann bin ich ein wenig enttäuscht, dass sie die wenigen Leute, deren Stimmen sich wirklich außergewöhnlich und damit interessant anhören, nicht zu ihrem Besten rauswerfen, bzw. aus der Show entlassen. Wahrscheinlich brauchen wir nichts, als die nächste gesamtdeutsche Image-Kampagne.
caliban for breaktfast,
múm by sleeping time.
Simples Prinzip: Jeder Beitrag beginnt mit “Today” und endet auf “FML”, fuck my life. Zwar wird vorselektiert, dafür ist die Auswahl Zucker, besser gesagt bittersweet.
Zwei Beispiele zur Illustration:
Danke, dass es so etwas gibt. Es macht alles etwas leichter. Fuck my life. Oder wer’s französisch mag: Vie de merde.
Ich stehe an meinem Küchenfenster und tue nichts Böses. Ich rauche, aber ich rauche immer, wahrscheinlich auch, wenn ich schlafe, ich weiß es nicht, aber zumindest würde das den schrecklich schlechten Atem und die schmerzenden Lungen am Morgen hinreichend erklären.
Gestern kam ich mit dem Zug zurück aus München, wo ich bei einer Talentshow aufgetreten war und gegen einen vierzehnjährigen Jungen verloren hatte, der durch seine Zahnlücken Bachsche Fugen pfeifen konnte. Der Zug war voll, übervoll um genau zu sein, in den Gängen stapelten sich Kinder, Rentner entklinkten ihre Hüftgelenke, um auch noch in die kleinsten Ecken zu passen und die Zugbegleiterin machte lustigen Ansagen: „Meine Damen und Herren, unser Zug hat momentan 15 Minuten Verspätung, da es Probleme gab, in Ingolstadt einen Rollstuhlfahrer aus dem Zug zu wuchten. Ssänk juh for träwelling wiss Deutsche Bahn.“ Fuck you.
Zu Hause angekommen ging ich in mein Zimmer, wo ich in die Scherben meines zerbrochenen Selbstbewusstseins trat und seitdem humpelnd eine Blutspur hinter mir her ziehe. Aber wozu denn auch zum Arzt gehen. Männlichkeit und so weiter. Was da so einfach rein gekommen ist, wird auch schon wieder von allein rauseitern.
Ich hätte es auch besser wissen müssen, dass man die Fahrt nicht neben einem kränkelnden Kind verbringen sollte, dessen Mutter eine von der akkuraten Sorten ist, die einem ständig Dinge erzählen müssen, die man gar nicht hören will, während einem der Junge dabei immer wieder versucht ins Gesicht zu packen: „Ja, der Kevin ist ein ganz intelligentes Bürschchen. Wir würden den ja gern in die Vorschule schicken, aber der hat gerade so eine anale Phase, spielt sich ständig am Pupser rum und will dann immer seinen Finger, naja, so, der kleine Rabauke, der.“
Denn jetzt stehe ich hier, am Fenster, meine Nase ist mittlerweile auch so dicht, als hätte ich am Abend vorher ein paar schöne Beton-Lines gezogen. Hier stehe ich und denke darüber nach, wieso denn gerade ich wieder die Viren abgekommen habe? Wieso denn gerade ich? Hätte es nicht noch irgendjemanden in diesem verdammten Abteil gegeben, dem ohnehin nur noch ein klitzekleiner Stoß hinein in den langen Tunnel fehlte, an dessen Ende das helle Licht schon erwartungsvoll leuchtet?
Manchmal, da könnte ich sie alle umbringen. Einfach nur, um mich für all das zu rächen, was sie mir tagtäglich antun, wenn sie ihre Kadaver durch mein Sichtfeld schleppen und meistens auch noch einfach stehen bleiben und mich somit zwingen, ihnen kostbare Teile meiner Aufmerksamkeit zu widmen, um auszuweichen. Eine Welt ohne Menschen muss ein so schöner Ort sein.
tbc















