Der Konsum Leipzig ist die großartigste Supermarktkette der Welt. Beim Einkaufen läuft Sinead O’Connors “Nothing Compares To You”. Spontan macht der Mann, der immer beim kleinen Backstand steht und “IST DA FLEISCH DRIN?” über die Theke schreit, der Bäckersfrau einen Heiratsantrag, nicht ohne sich vorher noch einmal kräftig in die Hand gespuckt zu haben, um sich die wild abstehenden Haare zu glätten. Ein Kampfhund, der sich von seinem genau so eckig aussehenden Herrchen losgerissen hat, stürmt durch die Gänge und rollt sich fröhlich in den Fleischauslagen. Die Postmoderne kommt zur Tür herein und schaut traurig, dann wieder lacht sie. Plötzlich verstehe ich das Pärchen, das Chicoree, künstliche Vanillesoße und ein Überraschungsei kauft und sich dabei in Gedanken schon gegenseitig mit der Soße einreibt. An der Kasse sitzt die Frau, die mit der rauchigsten Stimme seit des gealterten Johnny Cashs, und wünscht ein schönes Wochenende. Man muss sich ernsthaft zusammenreißen, um die Freudentränen zu verbergen und nicht den Mund zum herzerweichenden Song zu bewegen: Nothing compares to you, liebe Kettenraucherkassiererin!
Warum hier wenig passiert, ist schnell erklärt, hat aber mehrere Gründe.
1) Prüfungszeit: Man sollte lernen und tut es, wenn die Überwindung groß genug ist, dann auch.
2) Prokrastination: Wenn man nicht lernt, dann sucht man sich nach Möglichkeit andere Beschäftigungen, putzt das Bad oder bastelt eine neue Internetseite für die Lesebühne Schkeuditzer Kreuz. Hier die Vorabversion, in der aber noch genug Kleinigkeiten zu tun sind: http://www.neunzehnhundert.org/kreuz/
3) Kopfebbe resp. 1a) Wenn man nur noch den Tendenziellen Fall der Profitrate, komparaive Kostenvorteile oder unterkonsumtionistische Rentenökonomie im Kopf hat, ist da nur noch sehr wenig Platz für Anderes.
Spätestens in einer Woche wird’s anders.













