Weihnachten macht mich verrückt. Deshalb habe ich eine Ode an eine Imbissfrau geschrieben, die mich immer wieder fragte: “Schrippe oder Stulle? Schrippe oder Stulle? Schrippe oder Stulle?”.
Du, oh liebe Bratstandsdame,
willst wissen, was ich lieber habe,
weißes, schwarzes, Krustenbrot,
kleingemahl’n, gepimpt mit Schrot,
Körner, Kerne, sicher, gerne,
nur nicht zu Wurst, so lerne,
dass du nicht wie Subway bist
und man hier trotzdem besser isst,
als bei dem Sandwichblödsinn dort,
in des Konsumes heil’gem Ort,
hast bei der Wurst nur eine Wahl,
nur beim Brot, da wird’s zur Qual,
denn es ist mir stets Verdruss,
wenn ich mich entscheiden muss:
Kreole, Stecker, Plug im Ohr,
Jungen- oder Männerchor,
noch Koitus oder Abschiedskuss,
Aldi, Konsum, Szene-Plus,
Amalgam oder Keramik,
vorm Zahnarzt hab ich derbe Panik,
Thomas oder Heinrich Mann,
wer besser von ihn’ schreiben kann,
Counterstrike oder Amok-like,
Rennrad oder Mountainbike,
Tod mit dreißig,
ach, ich weiß nich’,
lang zu leben,
darauf scheiß’ ich.
Ach ich red’ nicht lang drumrum,
verhaare kurz und bleibe stumm,
oh du gute Frau des Fleisches,
grill mir alles und ich beiß’ es,
gib mir Steak und gib mir Wurst,
dazu noch etwas gegen Durst,
Ketchup drauf und Senf, egal,
grillst du ihn, ess ich auch Wal,
Brötchen oder auch ‘ne Stulle,
is’ mir alle ziemlich hulle,
reich mir diesen Fleischerdübel,
ich droh dir hiermit, ja ich prügel,
gib mir Schrippe, gib mir Brot,
oder ich beiss auch dich tot!