# Zum Zwecke des Jubiläums

Liebe Leute, gleich das nächste Event gibt es heute! 1000 Tage Neunzehnhundert.org! Das ist zwar nicht so toll wie ein Jahrestag, aber immerhin doch eine größere Zahl. Deshalb auch gleich wieder ein Zitat. Bitte weiter zahlreich hier lesen,d ann auch zahlreich viel zu lesen. Danke und bitte.

Die meisten Leute lesen Neunzehnhundert.org, weil die meisten Leute Neunzehnhundert.org lesen

anonym

(haha, zu viel gegessen.)

# Schrippe oder Stulle?

Weihnachten macht mich verrückt. Deshalb habe ich eine Ode an eine Imbissfrau geschrieben, die mich immer wieder fragte: “Schrippe oder Stulle? Schrippe oder Stulle? Schrippe oder Stulle?”.

Du, oh liebe Bratstandsdame,
willst wissen, was ich lieber habe,
weißes, schwarzes, Krustenbrot,
kleingemahl’n, gepimpt mit Schrot,
Körner, Kerne, sicher, gerne,
nur nicht zu Wurst, so lerne,
dass du nicht wie Subway bist
und man hier trotzdem besser isst,
als bei dem Sandwichblödsinn dort,
in des Konsumes heil’gem Ort,
hast bei der Wurst nur eine Wahl,
nur beim Brot, da wird’s zur Qual,
denn es ist mir stets Verdruss,
wenn ich mich entscheiden muss:

Kreole, Stecker, Plug im Ohr,
Jungen- oder Männerchor,
noch Koitus oder Abschiedskuss,
Aldi, Konsum, Szene-Plus,
Amalgam oder Keramik,
vorm Zahnarzt hab ich derbe Panik,
Thomas oder Heinrich Mann,
wer besser von ihn’ schreiben kann,
Counterstrike oder Amok-like,
Rennrad oder Mountainbike,
Tod mit dreißig,
ach, ich weiß nich’,
lang zu leben,
darauf scheiß’ ich.

Ach ich red’ nicht lang drumrum,
verhaare kurz und bleibe stumm,
oh du gute Frau des Fleisches,
grill mir alles und ich beiß’ es,
gib mir Steak und gib mir Wurst,
dazu noch etwas gegen Durst,
Ketchup drauf und Senf, egal,
grillst du ihn, ess ich auch Wal,
Brötchen oder auch ‘ne Stulle,
is’ mir alle ziemlich hulle,
reich mir diesen Fleischerdübel,
ich droh dir hiermit, ja ich prügel,
gib mir Schrippe, gib mir Brot,
oder ich beiss auch dich tot!

# ehemalig

Und trotzdem geht man jedes Jahr aufs Neue wieder hin, auch wenn es jedes Jahr weniger zu hören gibt und es jedes Jahr bitterer wird, die Leute, besonders die Mädchen, bei den Jungen hat man sich damit schon lange abgefunden, zu hören, wie sie sprechen. Dieses “Muss ja!” und “Ich fahr jeden Tach mit’n Auto hin. Is ja och allet so teuer jewordn!”, bei dem man genau weiß, dass es so jetzt bleiben wird, eine lange Zeit so bleiben wird, das sich aber genau jetzt schon anhört, als seien sie die geworden, die sie vormals nie hatten werden wollen. Bis sie dann alt genug sind und über die Jugend (“Hör mir uff mitte Jurend! Alle keen Respekt mehr!”) herziehen können. Dieses Feierabenddeutsch, mit dem sonst nur am Tresen in der Kneipe geliebäugelt wurde.

Es gibt nichts zu bereden und dennoch wird gesprochen. Aus Frustration Bier, reichlich Bier. Viele machen es richtig und kommen schon gar nicht mehr. Waren schon die letzten Jahre nicht mehr da. Und man vermisst sie irgendwie. Es ist schon eine Art Masochismus, den man jedes Jahr braucht, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat. Sich jedes Jahr gegen Ende noch einmal fein verletzten zu lassen mit dem, was sie so erzählen und dem, was man dagegen hält, mit dem gegenseitigen Unverständnis, das aber von den meisten schon längst nicht mehr zu Tage getragen wird, “sinn’ ja schließlich erwachsen, heh?” Und den ganzen Leuten, jedes Jahr mit weniger von ihnen zu sprechen, sie nur noch zu kennen und freundlich “Tahaag!” zu sagen. Dazu die Kinder, die jetzt kommen. Mit noch mehr Fragen: “Und, bei dir so?”, komisch gucken, “Wie, ‘bei mir so’?”, “Na, so, weißt schon.”, drauf einsteigen, “Läuft.”, “‘s immer jut!” Dann gehen und sich fragen, ob man im nächsten Jahr wieder kommen soll. Nur wie könnte man nicht, wenn sich dadurch nicht die Möglichkeit eröffnen würde, plötzlich auf jene zu treffen, die man eigentlich nur aus einem unergründlichen Interesse wiedersehen will, nicht aus irgendeinem Wunsch. Nur um, ja, dagegen halten zu können und um zu spüren, dass man noch am Leben ist. Pervers.

# Was Schönes zum Jahresabschluss

Manchmal trägt es Früchte, wenn man etwas unterwegs ist, dann bekommt man Aufnahmen vom Auftritt, die einem nachhaltig eine schwammige Prominenz bei YouTube sichern. Zumindest wenn man nicht nur textesuchend im Hintergrund sitzt und “The Fuck Hornisschen Orchestra” bestehend aus Christian Meyer und Julius Fischer bei ihrem Smashhit Aileen zuhört, gespielt im November im Café Schöne Aussicht in Hamburg:

Danke an CJ fürs Videofinden.

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