Warum ich eigentlich ganz normal bin

Steffen und ich stehen im Shuttle-Bus, der uns zum Messegelände bringen soll. Während er sich über die dreisprachige Ansage der Haltestellen amüsiert, habe ich Angst. So müssen sich Tokio-Hotel-Fans fühlen, denke ich: unverstanden, hilflos, eingeklemmt zwischen Teenies und deren Eltern, gefangen in einer fremden Welt.

I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]

Und ja, man muss sich nicht länger daran erinnern, dass es ein gutes Gefühl ist, wenn das Frühere so floskelgleich einmal nicht besser und das noch Kommende so vielversprechend ist.

Die erste kleine Vorabversion der Internetseite zur Lesebühne Schkeuditzer Kreuz ist online! Zu sehen gibt es diese auf www.SchkeuditzerKreuz.de.

Am 25. April geht es los, 21 Uhr im Horns Erben zu Leipzig. Zu erwarten sind André Kudernatsch, Julius Fischer, Christoph Graebel, Hauke von Grimm, Michael Schweßinger, Kurt Mondaugen und meine Weinigkeit zu einem Abend voller neuer Geschichten, Gedichte und vielleicht auch dem ein oder anderen Liedchen.

Ach ja, die Lizzy Online hat’s auch mitbekommen. Man schaue hier…

Schau dich mal um:

Wo ist hier denn noch Platz für Gedanken,
für Dinge, die nicht an Alltäglichkeit kranken,
dem Aufoktroyierten, dem Rückprojezierten,
dem defizil, ewiglich gleich Aufgeführten?

Vielleicht ist es bloß gedankenverlorene Präsentationsperversion
in StudiVZ, StudiKZ und jedem anderem Facebook-Klon…
Da heißt es Profilpimpen, sich ein kuscheliges Domizil einrichten,
Mit Myspace, my house und my face, die sich bei Google verdichten,
Auf dessen Kompetenz Personaler nicht länger verzichten,
Wenn sie mit Hilfe der Bong-Bildsuche deine Bewerbung vernichten.

Genau!
Die Welt dreht sich
und man versteht sich
heute eher platonisch und lakonisch
werden abstruse Gespräche geführt:
Jo, lol, fjn! Me2, hdl, peace out, Bro! –
In Kommentarfunktion zu Tränen gerührt,
*grins* das machen ja auch die Anderen so.

Was wollt ihr denn aber hören?

Wollt ihr hören, wie ich mich beschwere über hehre, verquere oder über prekäre Situationen, Stationen der inhaltsleeren Lehre unseres — Konsumverhaltens? Oder halb philosophisch, wie ich mich aufschwinge, hoch über die Dinge, die Dinge die dringlich dinglich dein und mein Leben bedienen und von oben herab lästere ich ab über die Vertracktheit der heillosen Scheinheiligtkeit. Wollt ihr, dass ich mich verbiege, euch kriechend brav zu Füßen liege und davon erzähle, wie ich mich, mehr schlecht als recht, durchs Leben quäle, oder von Feiern und reiern und Partybarbys, oder den Rebellen spiele, mich im Verprellen übe, alles aufs Korn nehme, dass ich euch anlüge und ablehne?

Was wollt ihr denn hören?

Wisst ihr es überhaupt?

Denn genau wenn nicht, ist es auch egal, was ihr hören wollt,
wenn ihr eh nur bekommt, was ihr hören sollt
und daraus bloß ableitet, was ihr eben hören wollt,
von mir und all den Anderen hier!
Denn was sie wollen ist nicht prompt,
worauf man beim Bier an der Tür mit der Kippe kommt:
Fett altah, jo, war geil! Fett, fett, fett, fett, fett altah!

Das ist doch Scheiße.

da sind sie
den ganzen tag unterwegs und leben und
planen und beben und
wagen und streben und
reden und reden und reden und
sagen nichts

rennen kilometerweit auf dem stepper
obwohl sie nur auf der stelle treten

fotographieren sich vorm eiffelturm
nur dass es nicht ums dagewesen sein geht
sich vielmehr ums dasein dreht

wechseln die stimmung nach bedarf
es noch etwas anderem?

denken ist so 2008
das mach ich jetzt auch

warum es nicht alles so einfach sein kann
warum es nicht alles so einfach sein kann
warum es nicht alles so einfach sein kann
sondern anstrengend bleiben muss

zu lächeln und
gleichzeitig
da zu sein
zukünftig
da zu bleiben

vergänglich
besonders zu sein
im nachhinein

ich schenke mir eine portion selbst
mitleidig blicke ich an mir herab
wertend

schwer, aber nichtsdestotrotzköpfig lose
von der welt, weit ab und hoch darüber
bleibt es schwer und
schön, den horizont zu sehen

verrückte lichter tanzen dort
durch meine trüben augen fort

deine augen
diese tiefen mariannengrabenaugen
in die ich mich zu stürzen liebe

nicht für den fick
nicht für den kuss

ich will — urknall

gewöhne mir die traurigkeit nicht länger
anwesend sein
das ist sie
es