Wenn nichts ist, ist nichts.

“Was ist in der Schachtel?”
“Nichts.”
“Her damit!”

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“Denk nicht so viel über den Sinn des Lebens nach, mach dir lieber eine schöne Linsensuppe!”

Richard Raatzsch

Als ich einen Sommer lang auf einem Reformbauernhof arbeitete, an den eine Wohngemeinschaft für geistig Behinderte angeschlossen war, die jeden Tag für ein Taschengeld entweder in den Gärten, im Stall oder auf den Feldern halfen, hatte ich oft mit dem verrückten Heinrich zu tun.

Heinrich war ein komischer Typ. Er war nicht behindert, aber trotzdem echt verrückt. Mit Mitte dreißig wohnte er in einem ein paar Kilometer entfernten Dorf bei seiner alten Mutter in einem verfallenen Haus und half auf dem Hof als Mädchen für alles. Ich schätze ihn auf gute 150 Kilo, mit seinem Vollbart und der ewig glimmenden Zigarette im Mundwinkel. Der Chefbauer hatte ihn schon ein paar Mal rausgeschmissen, aber irgendwie hatte er es doch immer wieder geschafft, wieder eingestellt zu werden.

I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]

Wenn ich die Möglichkeit hätte, mir von einem meiner Verwandten irgendeinen Wunsch erfüllen zu lassen, so würde ich mir vielleicht einen kleinen Neffen wünschen. Er müsste ganz klein sein und mir bis zur Hüfte reichen, mit kurzen, braunen Haaren und einem Gesicht, das von den Beschwerlichkeiten des Lebens noch keinerlei Notiz genommen hat.

Man muss sich nur einmal vorstellen, was für einen Spaß man mit diesem kleinen, völlig unbeleckten Kerl haben könnte. Wenn er erst einmal Vertrauen gefasst hätte, könnte man ihm so unendlich viel beibringen und ihm die Welt so zeigen, wie man selbst sie sieht. Ihm das Verständnis erleichtern und sich gleichzeitig seiner kindlichen Befreitheit bedienen, endlich wieder einmal ein paar ausgefallene Dinge zu tun.

Es gäbe da Vieles. Und ich glaube, ich würde unter Anderem Folgendes mit ihm tun:

I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]

In nicht respektablem Zustand an einer Trucker-Bar stoppen.

Die Blase möchte den restlichen Weg nicht mehr mitmachen.

Sich mit ataraxischem Auftreten einen Gang zur Toilette ertrotzen.

Und mit einem Willie-Nelson-Medley revanchieren.

Vielleicht müsste die Frisörin, nein, nicht Frisöse, auch ein bisschen vom Kopf wegschneiden, um mehr Last von den Schultern zu bekommen, anstelle sich allein auf die Haare zu beschränken. Ein bisschen weniger Thalamus könnte sicherlich nicht schaden. Weniger Wichtiges und Bewusstes, eine mit geschärftem Rasiermesser geschickt herausgekitzelte Ataraxie, gekoppelt an einen kleinen Kippschalter hinter dem Ohr. Aber kann man einer Frisöse, scheiße, Frisörin, eigentlich neurochirurgische Kompetenzen zumessen? Lernt man so etwas in der Handwerkerinnung?

Den Typen jedenfalls, der im zerschlissenen Bundeswehrparka mit gekonnten GSG9-”Wir stürmen jetzt deine verdammte Bude, du Terroristenschwein!”-Fusstritt die Scharniere der Eingangstür einer harten Probe unterzieht, scheint das wenig zu stören. Er marschiert in halb offenen Springern zum Kleiderständer und entledigt sich seines Parkas, sodass die dünnen Drahtärmchen des IKEA-Designobjekts hörbar zu ächzen beginnen.
Er trägt einen schwarzen Pullover und zerschlissene Jeans. Seine zotteligen Haare sehen aus, als könnten sie das Komplettprogramm gebrauchen.

I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]