Die Rückkehr zur Gläubigkeit ist weder fortschrittlich noch Mitleid erregend. Was sie ist, ist ein wiedergekehrtes, öffentliches Eingeständnis der Resignation gegenüber den Vorgängen der Gegenwart, eine erneute Suche nach geistiger Bevormundung, eine selbst gewählte Abseitsposition.
Schon wieder tut man genau das, was man seit Jahrzehnten als seine größte Schwäche kennen sollte und nimmt den Weg, der am wenigsten Aktion erfordert.
# Aphorismus des Tages [124]
# Neue Deutsch’sche Rechtschreibung?
Viele heraus ragende Storys gibt es zu lesen beim Duden’schen Verlagshaus. Zum Beispiel die Neuregelungen der deutschen Orthografie, zusammen gefasst in 25 einfachen Paragrafen. Mit Hilfe dieser grandiosen Zusammenstellung kann jeder Anlauf nehmen spielend selbst die Hürden der Zeichensetzung zu überwinden.
Denn gestern, am 01. August 2007 trat sie endlich verbindlich in Kraft: die neue deutsch’sche Rechtschreibung. Schon am Abend knallten die ersten Sektkorken in den germanistischen Fakultäten aller Universitäten, die die Verhauptschulung der Sprache mit wahren Freudenschreien und Fensterstürzen begrüßten.
Großartig, verehrte Kultusministerkonferenz, sowie verehrter Rat für deutsche Rechtschreibung. Sie beide wollten die bisherigen Regeln an heutige Erfordernisse – meinten sie damit die Degeneration des Sprachgefühls? – anpassen und endlich legitimieren, was von verzweifelten Deutschlehrern leider schon längst nicht mehr rot angestrichen wurde, um den Klassen-Durchschnitt halbwegs halten zu können.
Genau das haben sie geschafft. Ihnen ist tatsächlich gelungen, was sich manch ein Mitglied des Vereins Deutsche Sprache e.V. sicherlich nicht einmal hätte erträumen können: Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Sprache im internationalen Vergleich zu steigern und gleichzeitig so zu tun, als sei dies überhaupt notwendig.
Fabulös, meine Glückwünsche.
# Alt zu sein bedeutet
Manchmal kann man sich schon sehr niederträchtig vorkommen, noch jung zu sein. Beispielsweise wenn man an einem Dienstagmorgen auf dem Nachhauseweg von einer Party den kürzeren Weg über die innerstädtischen Märkte nimmt.
Zuerst ist es überhaupt ein kleines Kunststück, sich einen Weg durch die dicht gedrängten Massen von Leuten zu drängen, die durchweg über sechzig Jahre alt sind. Leute, die die Wege blockieren und sich gegenseitig vorhalten, wie schlecht das Leben, wie kurz die Zeit und wie teuer der Spargel ist.
# Willkommen, UTF-8!
Nach einigem Gerangel und Herumprobieren ist es nun doch noch vollbracht:
Die Datenbank ist endlich vollkommen auf UTF-8 umgestellt, Beiträge und alles Andere sind korrekt kodiert, und das Beste ist, dass es immer noch funktioniert.
Dank gilt auch nochmals g30rg3_x, der auch per Mail noch mit Rat und Tat zur Seite stand. (Thanks again to g30rg3_x for his plugin and helping me via mail.)
Unsere verehrten Leser werden von alledem nichts bemerken, doch ist wieder ein großer Schritt getan.
Weiter im Programm.
# Ganz unten, steil bergauf
In eine andere Stadt zu ziehen, heißt einmal mehr die große Option zugesprochen zu bekommen, sein ganzes gesellschaftliches Leben von Grund auf neu zu gestalten. Plötzlich hat man die Chance, endlich so zu werden, wie man es immer sein wollte, endlich als das wahrgenommen zu werden, was man wirklich zu sein glaubt. Man ist ein unbeschriebenes Blatt und gleichzeitig derjenige, der es beschreiben darf. Es ist, als würde sich die soziale Weste während des Umzugs auf wundersame Weise selbst weißen. Nun liegt sie vor einem. Was man tun muss ist nichts Anderes zu tun als sie anzuziehen und vor die Tür zu gehen. Alles fällt von einem ab und schafft dabei kleine Anlegeplätze für längst verloren geglaubte Zustände wie Abenteuer oder Aufregung. Die aufkeimende Chance, sich in einem der Freundschaftsbiotope inmitten des dynamischen Kessels der anonymen Großstadt einzunisten, schmeckt süß und macht ein wenig high.


