# Geschichte mal anders

Zwei, die in ein paar Jahren wahrscheinlich irgendeinen Großkonzern leiten werden:

1: «Boah alder! Heute erstmal dick 1. Mai feiern!»

2: «Feiern?»

1: «Klar, man! Tradition und so.»

# Von perfekten Tagen, der Wut und dem Verzweifeln

Die Sonne ist mir eine alte Bekannte geworden. Wenn sie morgens schon vor dem Fenster wartet, noch ehe ich die Jalousien nach oben gezogen habe, fällt wenigstens die Einsicht, doch noch eine Runde vor mir zu haben, etwas leichter.

Denn nur allzu oft habe ich dabei zugesehen, wenn zuerst dein Lachen, dann dein Lächeln mit einem Mal verschwand. Und wie sich deine dunklen Pupillen, bei deren Anblick man glaubte, tief in deine Gedanken sehen zu können, immer und immer größer wurden, je mehr sich die Angst vor der Wirklichkeit in die ausbreitete. Die Angst davor, alles wieder einmal zerbrechen sehen zu müssen. Dass es doch alles nicht wahr sein kann. Nicht immer wieder, sagtest du und versankst, wie eine schwer Verwundete mit dem Rückem im Schutt deiner eingestürzten Welt.

I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]

# Nachdenkliches II

«Und dann eines Tages die Augen zu öffnen und nichts Besonderes mehr zu sehen.

Einfach aufzustehen.

Loszugehen.

Ein Baum wäre nur ein scheiß Baum,
die Privatsender wären Bildungsinstitutionen
und jeden Sonntag würde man für den eigenen Lebensstil bezahlen.»

# Überlauf

bis dahin

Manche sagen, dass sich gerade die Dinge, von denen man überhaupt nichts mitbekommt, besonders prägend auf den eigenen Charakter auswirken. Sie nennen sich Freudianer oder Aufgeklärte und führen das Unbewusste wieder aufs Schlachtfeld der Diskussionen. Sie orakeln, dass es nichts am menschlichen Verhalten gibt, das man nicht auf äußere Einflüsse zurückführen könnte. Das finde ich faszinierend.

Denn ich habe in meiner Zeit, die ich hier nun schon sitze, auf den Fluss hinunter schaue und eine Zigarette nach der anderen zu rauchen pflege, Vieles gesehen, Vieles gehört und mindestens genauso viel nachgedacht.

Vielleicht, dachte ich erst vor ein paar Minuten, habe ich gerade daher diese Affinität für das Extravagante, wer weiß. Weil ich schon in einem Szenario des Ausnahmezustands zur Welt gekommen bin.
Mit großem Tam-Tam betrat ich damals die Bühne. Begleitet von einschlagenden Bomben am anderen Ende der Welt, die sich in der Vorstellung der Leute nur wie dumpfe Paukenschläge anhörten, und der blendenden Angst meiner Großmutter, die kurz darauf ihren Verstand verlor.

I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]

# Heile Welt

Flickr: asvensson: Fenced In
Foto von asvensson (Wortfeld.de)

Sieht nach ziemlich viel Vertrauen in die eigene Sache aus, wenn man sich so abschotten muss, wie unsere internationalen Führer es in diesem Jahr in Heiligendamm zum G8-Gipfel tun.

So langsam kapiere ich auch das 2. Selbstweihräucherungspapier den 2. Sicherheitsbericht, der dem komischen Mann, der unser Innenminister sein soll, lang noch nicht genug ist. Aber genau da ist Heiligendamm ja ein wunderbares Vorbild. Sperrt sie halt alle aus und verteilt Platzverweise, wenn sie immer nur Dinge sagen, die euch nicht in den Kram passen. Schließlich seid ihr die Führer. Und setzt alles daran, eure Untergebenen weiter zu veralbern.

Wie hieß es doch so schön in der lustigen Du bist Deutschland-Kampagne durch Marcel Reich-Ranicki: «Aber einmal haben wir schon gemeinsam eine Mauer eingerissen!»

Ob das auch für Zäune gilt?

(Zu seiner Verteidigung: Marcel Reich-Ranicki hat sich übrigens schon von seiner Teilnahme an dieser Kampagne in der Dokumentation “Ich, Reich-Ranicki” distanziert.)

Da fällt mir ein:

Eine der schauerlichsten Folgen der Arbeitslosigkeit ist wohl die, dass Arbeit als Gnade vergeben wird. Es ist wie im Kriege: wer die Butter hat, wird frech.

Ignaz Wrobel – Die Weltbühne, 14.10.1930, Nr. 42, S. 597.

Quellen und Links:

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