Der kleine Junge tappt etwas unruhig neben seiner Mutter durch die große Halle. Sie gehen die Treppe nach oben und man sieht, wie der Junge innerlich mit sich ringt. Immer wieder sieht er zu seiner Mutter auf, aber dann verlässt ihn der Mut. Als wir die Galerie entlang laufen, fasst er sich ein Herz.
«Mama, bin ich von der Straße?»
Sie runzelt die Stirn.
«Aber wir wohnen doch in einem Haus!», sagt sie und rückt ihrem Kleinen beim Gehen den Stehkragen zurecht. Wichtige Termine, ganz sicher.
Er aber findet allenfalls, dass das war keine befriedigende Antwort war. Es dauert noch eine Weile, ehe er sich traut noch einmal nachzuhaken.
«Max sagt, er ist einer von der Straße.», wirft er ein.
«Quatsch!», die gute Frau muss ihm auch alle Freude nehmen. Gerade eine Identifikationsfigur gefunden und schon wird sie mit einem Wort aus der potentiellen Wahrheit gefegt. Sie gehen Wortlos bis zu den sich anschließenden Korridoren und steuern auf ein paar Stühle zu, die für die Wartenden aufgestellt worden sind. Die erdrückende Stille schneidet Stück für Stück das Gebäude von der Außenwelt ab. Der alte Mann gegenüber scheint Angst zu haben, dass die Zeit ebenfalls dran glauben muss. Wartend zu sterben war noch nie sehr vorteilhaft.
Nach einer Weile durchbricht ein Zucken des Jungen die Ruhe:
«Wie Sido, Mama! Von der Straaaaaße, checkst du das nicht?», ruft er aufgeregt und zieht an ihrem Arm. Alle schauen sie an. Sie checkt’s echt nicht.












