«Los, man, Bewegung Bewegung!», brüllte mir Peter beim Wegrennen zu. Er war schon gute zehn Meter weiter, als ich immer noch reglos da stand und nicht genau wusste, was ich tun sollte. Peter sah sich noch einmal nach mir um und blieb aufgeregt stehen. Er schlug sich mit aller Kraft in die geöffnete Linke und sah mich völlig entgeistert an. «Kommst du jetzt endlich, du Idiot? Oder willst du dich noch persönlich bei den Bullen vorstellen?»
Last night I woke
Lost, scared and soaked.
In sweat
I lay in my bed
Still falling from a rooftop
And I’m still trying to get
Closer to who I am,
who I am.
Saybia – Still Falling
Wenn es etwas Essentielles gibt, dann: Nicht die solideste Planung kann nackte Erfahrung ersetzen. Kein noch so steil gerichteter Lebenslauf kann das Auf und Ab in Frage stellen, ja jemals etwas von Intensität äußern. Keinerlei Gleichmütigkeit kann sich jemals Emotion nennen. Es, alles, ist zu kurz, um nicht das zu tun, was man zu tun gewillt ist.
Wenn sie mich festhält und so beruhigend lächelt, wie einem der Mond in der Nacht nur ganz allein Gesellschaft leistet. Neben einem her schlendert, mit den Armen schlackert. Mit ihrem weißen Gesicht, dessen Umrisse man noch in der absoluten Dunkelheit zu sehen glaubt, selbst wenn man sie nur erahnt. Jene Kuhle zwischen Schulter und Kopf, die so nach buntem Tee duftet, aber nach süßen Mandeln schmeckt. Mit dem Zitronengeruch ihrer dunklen Haare in der Nase auf die rot blitzende Digitalanzeige gucken. Sich glücklich schätzen, noch ein paar Stunden weiter schweben zu können.
«Aber schauen Sie, ich habe noch nie eigentlich für ein Publikum geschrieben. Das heißt, für mich waren immer Stücke – oder überhaupt jedes Arbeiten war eigentlich ein Versuch für mich, mir über die Welt klar zu werden. Also ich kann nicht für ein bestimmtes Publikum schreiben, weil es das nicht gibt. Ich meine, es ist ein Publikum, das ist ein Allgemeinbegriff. Und ich schreibe – streng genommen bin ich mein eigener Zuschauer. Man muss Ordnung in seinem eigenen Geiste schaffen. Das glaube ich, das ist Arbeiten.»
So sagte es Friedrich Dürrenmatt, einer der größten deutschsprachigen Dramatiker, der vor sechsundzwanzig Jahren am 14. Dezember 1990 verstorben ist. Ein Mann, bei dem man sich fragen muss, was aus ihm geworden wäre, hätte er nicht das Schreiben als Alternativweg seiner Kunst gewählt, hätte er stattdessen doch beschlossen, sein Leben durch die Malerei zu finanzieren.
Ein ernster Mensch, der einen guten Weg gefunden hatte, sich mit dem Leben und all seiner Paradoxie zu arrangieren. Einer, der dem Ernst des Lebens allein mit der Groteske noch begegnete. Mit seinen Dramen schuf er mehrschichtige Stücke, die mit ihrem eigenen Ernst geradezu meisterhaft zu kokettieren wissen.
Wir denken an ihn.
Von staubigen Texten und nicht Zeitgemäßem hört man die Feuilletonisten und Theaterkritiker oftmals reden. Manchmal haben sie auch ganz recht damit. Und das, obwohl der Urstoff der meisten Erzählungen, Gedichte, Dramen und Romane noch immer derselbe geblieben ist: Liebe, Tod, Erkenntnis, Gott. Dann liegt es bei den Intendanten und Filmemachern, den alten Stoff so aufzuarbeiten, dass auch der Zuschauer von heute noch Gefallen daran finden mag. Eben so geschah es just mit Peer Gynt, dem dramatischen Gedicht von Henrik Ibsen, dem so genannten Faust des Nordens.
Peer Gynt lebt buchstäblich in seiner eigenen Welt. Weil er seine recht armselige Existenz als armer Bauernsohn nicht einsehen will, erfindet er sich eine komplett neue Realität. Die heruntergekommene Behausung ein Palast, die Welt eine Gegend, bevölkert von Fabelwesen, sein dahingeträumtes Leben ein einziges Abenteuer und er selbst König über allem. Peer macht sich um nichts Gedanken und lebt die Tage, wie sie kommen. Er tut, was immer er will. So entführt er die Braut eines Anderen und lässt sie kurz darauf wieder fallen, so macht er Eheversprechen und zieht immer kurz bevor es drauf ankommt seinen Kopf aus der Schlinge, indem er einfach schier vogelfrei weiter zieht.















