# Das mit den alten Gewohnheiten

Ground Control to Major Tom, Ground Control to Major Tom:
Take your protein pills and put your helmet on
Ground Control to Major Tom: Commencing countdown, engine’s on
Check ignition and may God’s love be with you

Mit einem Mal verschwanden all die Nebelschwaden, als hätte jemand blitzschnell eine riesengroße Schere angesetzt, um den Blick auf die umliegenden Wälder freizulegen. Die weiße Trennwand wich unausweichlich nach hinten, so als hätte man die größte aller Barieren endgültig überschritten, nur um der nächsten entgegenzusehnen. Aus unseren Hosenbeinen entfleuchte ganz langsam der Schlaf, schlich über den Boden und schlängelte sich am nächsten Bahnhof aus dem Abteil. Der Tag stand erst auf Halbmast, von draußen schlürften die Heizer der Städte in den Waggon. Meine Augen waren schwer, dein Rücken schmerzte, sagtest du.

I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]

# Aphorismus des Tages [96]

Rückschau auf alte Einträge in Notizbüchern und Zettelwerk: Dieselbe Angespanntheit, wenn auch immer feiner ausgearbeitet. Man wird nicht gelassener, aber wählt die Schlachtfelder mit viel mehr Bedacht und Ausdauer. Wie trifft man problembezogene Entscheidungen? Anhand von Vergleichen zwischen Möglichkeit und Sein, zwischen möglichen Lösungen und den zusammengewürfelten Fragenhaufen. Und die so genannten Lösungen entwickeln sich vom Grobschlächtigen Blocker zum delikanten Komplettumwurf. Beeindruckende Synchronizitäten.

# Vom Fest der klingelnden Kassen

Der dicke Weihnachtsmann verteilt großzügig winzige Probepackungen einer Gesichtscréme an Kleinkinder. Als das erste Kind bemerkt, dass der freundliche Mann von weit her auf diese Sache mit den Wünschen gar keine Lust hat, weil er dafür nicht bezahlt wird, flippt es aus und dreht vollends frei.
Währenddessen wird Santa in bar entlohnt und flieht sogleich zur nächsten Bahn. Bald ziehen einige Mütter genervt die immer noch um sich tretenden Bälger in die Tiefgarage zum Auto zurück. Eine murmelt etwas von Jedes Jahr derselbe Mist. Vielleicht nehmen sie auf dem Rückweg noch eine Familienpackung Créme mit. Schließlich ist bald Weihnachten.

# In Erwägung, dass wir uns erheben

In den Tunneln verteilen die rot gekleideten BILD-Wichtel schon wieder ihr Packpapier. «Heute kostenlos!» brüllen sie einem wie jeden Tag ins Ohr.
«Die Hände immer in den Taschen behalten.», sagte man mir wohlwollend, «Sonst stecken die einem sowas noch heimlich zu.»
Nein, das möchte man wirklich nicht.

Das kleine Negativschneewittchen, mit vom Wasserstoffperoxid kaputtem Haar und dem ungesund braunen Röstgrad der Haut, muss eine Pause zwischen den großen Stapeln machen.
«Bah ne!» ruft sie widerwillig, «Mir tun die Hände voll doll weh! Lass mal ,Alter, nee ey. Wirklich!»

Ganz weit hinten hat mittlerweile jemand zuviel bekommen und schlägt einem der Wegelagerer mit einer frisch erstandenen ZEIT die Mütze vom Kopf. Es trifft den jungen Mann, der es sicherlich nur wegen dem Geld und aus Verzweiflung tut, so unvorbereitet, dass er seine Zeitungen über den ganzen Gang verstreut. Von überall stürmen die Leute heran und reissen sich die Blätter aus den Händen.
«Ist doch eh kostenlos!», versucht der Junge zu beschwichtigen.
Macht nichts, es hat schon etwas von den Rangeleien bei Karnevalsumzügen.

Der Ausgang kommt einem vor wie das Ziel eines Marathonlaufes.

# Aphorismus des Tages [97]

Manchmal kommt es einem vor, als hätten wir uns, mehr noch unser Handeln, schon so sehr selbst verkompliziert, dass sich vier große Merkmale an jedem Versuch, ein Problem zu unterbinden, erkennen lassen oder sich fast von allein aufdrängen:

  • Wir benötigen mehrmaliges Auftreten eines Problems, ehe es eine derart komplizierte Handlung, so beispielsweise den Lösungsversuch, überhaupt erst rechtfertigt.
  • Bei jedem Auftreten des Problems sind die Auswirkungen desselben größer. Somit wäre bei unserem Eingreifen schon allerhand passiert.
  • Und je mehr Zeit all das erfordert, desto brachialer wird unser Versuch, das Problem unter Kontrolle zu bringen.
  • Ein Problem nicht länger vor Augen haben zu müssen, ist für uns gleich der Nichtexistenz des Problems.
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