Du stehst besonders früh auf, um das Fenster aufzusperren und in die kalte Luft ins Zimmer zu lassen. Fühlst dich gut, wie sie auf dem Boden entlang kriecht und sich um deinen Körper schlängelt. Aus deinem Mund kommen die ersten Wölkchen des Jahres. Und innerlich glühst du unter der Bettdecke, dicht an jemanden gelehnt, der dich festhalten würde, selbst wenn die Erde jetzt um neunzig Grad kippte.
Ihr geht gemeinsam ans Fensterbrett und beobachtet den Nebel dort hinten, der heute nicht wie ein Grabtuch aussieht, sondern vielmehr wie ein Schleier zu einem ganz besonderen Anlass anmutet. Die Regentropfen sind keine Tränen mehr, sondern bloss Wasser, dass die letzten Tage rein wäscht und allen Schmutz irgendwohin tief in die Erde mit sich nimmt. Da bemerkst du, dass das Weiss des Himmels nicht von den Wolken, sondern von der dahinterliegenden Sonne kommt. “In Wirklichkeit sind sie blau, gelb, grün und rot.” konstatierst du genüsslich.
über Nacht hat man die Fassade mit glitzernden Perlen besetzt, in denen sich das Schauspiel dreitausend Male spiegelt. Das beste Hemd ist nach dem ausgiebigen Bad heute gerade noch genug. Kuchen zum Frühstück und anstatt des Kaffees diesmal Tee. Auf dem Tisch lagen noch die zahllosen, aufgeschlagenen Bücher des letzten Abends, über denen du dir den Kopf zerbrachst. Jedoch mit der gleichen Güte, wie du den Früchten auf dem Brötchen danken möchtest, hast du sie jetzt wieder in den Schrank zurück gestellt.
Nicht heute, da ihr auf den Schultern von Giganten aufgewacht seid. Auf euren eigenen spürt ihr nicht einmal mehr die Kleidung, die ihr tragt, sondern allein die Leichtigkeit, die Flüchtigkeit der Genugtuung. Vielleicht werdet ihr auch in dieser Nacht wieder das Fenster angeklappt lassen und hoffen, ihr könntet mit mehreren Atemzügen wenigstens für noch ein paar Stunden das Glück der Welt ganz für eich allein behalten.
In Anlehnung an die Free Hugs Campaign und die Sick Puppies.















