Bevor ich die Tür ins Schloss fallen ließ, zeigte das Thermometer runde 18 Grad. Es war überhaupt das erste Mal, dass ich durch diese Straßen schlenderte. Für einen kurzen Augenblick durchtränkt von Zeit und Wehmut, beschloss ich dennoch, diese Stadt in meine Gedanken aufzunehmen.

Am Ende meines Blickes liebkosten sich schon längst die feuerrote Sonne und der Horizont. Es fehlte nur an einer Schaukel, die mich zu ihnen hin gewogen hätte. Ich wollte still an einer Klippe sitzen, einen Cowboyhut schief im Gesicht tragen und bohnenessend meinen Tag passieren lassen. Doch was ich fand, war allenfalls der muffige Geruch der Gülle, der von den angrenzenden Feldern herüber wehte. Lange suchte ich nach den verlassenen Gewächshäusern und abgebrannten Heuwagen, aber dorthin war der Weg zu weit. Am anderen Ende der Gemeinde lag die Landwirtschaft so wunderbar brach, wie es sich für einen beginnenden Herbst gehört.

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Ich habe jetzt einen eigenen Schutzengel. Die werden in Zeitungsläden mittels Plastikkärtchen verteilt und garantieren Glück plus Zufriedenheit.

Kommen und sehen, anheben und fallen lassen – Handlungsstrang der Menschlichkeit und Richtlinie der Zeit.

Am Samstagabend hatten sich wie üblich alle am Severinplatz getroffen, um miteinander abzuhängen. Aber von Wochenende zu Wochenende kamen immer mehr Leute. Da waren die verlorenen älteren, die mit 26 Jahren immer noch nichts geschafft hatten und sich an die zehn Jahre Jüngeren hielten, denn wenigstens für diese waren sie noch Vorbilder. Von ihrer Arbeitslosenhilfe kauften sie sich die teuersten Markenklamotten, rauchten die teuersten Zigaretten und lebten dafür in einer schäbigen Ein-Zimmer-Wohnung, in die sie niemanden mitnahmen. Natürlich verdiente sich jeder von ihnen als Ticker etwas dazu. Die meiste Zeit jedoch taten sie das, was sie auch in unserer Gegenwart taten – sie saßen herum, hörten Musik aus mitgebrachten Ghettoblastern und hielten semiphilosophische Vorträge über französische Hip-Hop-Texte, die vom Mittelalter handelten.

Mädchen gab es an diesen Abenden en masse. Alles kleine Gören aus den umliegenden Real- und Gesamtschulen. Nur in der letzten Zeit waren auch die ersten gescheiterten Gymnasiastinnen aufgelaufen. Ich weiß nicht, ob sie verstanden haben, was uns so locker zusammenhielt, denn höchstwahrscheinlich kamen sie nur, weil es eben cool war, mit uns die Bullen zu verarschen, bis in die Nacht Scheisse zu fabrizieren oder um sagen zu können, dass sie diesen oder jenen kannten.

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Unter gleichlautendem Thema hatte das Internetzmagazin Telepolis gemeinsam mit einigen Bürgerrechtsorganisationen, bspw. FoeBud, CCC oder DVD (eine vollständige Liste gibt es hier), vor einiger Zeit zu einem Schreibwettbewerb aufgerufen. Ich hatte es ja schon mehrfach angesprochen und habe trotzdem den Termin verpennt. Denn all das verliert (leider) nicht an Aktualität, sondern wird von Tag zu Tag eher immer reicher an ihr.

Wie dem auch sei, auf der Wettbewerbsseite sind nun die besten 10 Geschichten ausgestellt und jeder Leser ist dazu aufgerufen, bis zum 10.09.2006 seine Stimme für die ihm am meisten zusagende Geschichte abzugeben. Einen Tipp gebe ich absichtlich nicht ab, habe aber bereits eine Lieblingsgeschichte, die meine Stimme bekommen wird. Der Text mit den meisten Stimmen erhält den Publikumspreis, ein von der Jury ausgewählter Text erhält den Hauptpreis.

Allen Finalisten schon einmal im voraus viel Glück von hier aus. Und lasst euch vom BND nicht unterkriegen, wenn die erst mitbekommen, wie ihr tickt.

Gefunden bei: Surveillance Studies