# Neuanfang

Das bisschen Regen hatte der Umgebung wirklich gut getan. Jetzt, mit der Sonne nur hinter einem wolkenen Vorhang aus dunklem Blaugrau konnte man seit langem endlich wieder nichts als klare Luft riechen. Natürlich musste man der Straße den Rücken zudrehen und durfte nur atmen, wenn gerade kein LKW vorbeirumpelte. Aber trotzdem, die Welt war befreit. Das dicke Tuch, gewoben aus der Unfähigkeit tief ein- und auszuatmen und der anhaltenden Müdigkeit war von unbekannter Macht ganz behutsam den Vormittag über vom europäischen Kontinent gezogen und ganz weit weg im Meer vergraben worden. Es würde eine Weile dauern, ein, zwei Monate, bis man es wieder verwenden und auf die Köpfe der arbeitenden Bevölkerung legen könnte. Bis dahin müsste man es erst noch gehörig auswringen. Auch über den Menschen, versteht sich.

Es würde gut sein. Genug helle Tage, dachte T. Sie besah sich mit verklärtem Blick und verdrehten Augen ihr Profil in der Fensterscheibe vor ihrem Gesicht. Der Kopf lag unbequem auf dem und klagte unentwegt nach einer Ruhephase. Von irgendwoher hatte sich ein Lichtstrahl durch das Glas verirrt und sich auf T.s Arm gesetzt. Er zeigte die vielen, kleinen Häärchen und spielte mit ihnen im Wind, der langsam durch das angelehnte Fenster herein kam. Kühler Wind und etwas Sonne, darauf freute sie sich, wenn die vom Sommer verbrannte Haut so langsam zu bröckeln und schließlich abzufallen schien.

I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]

# (Interessante) Theorie

Eine deklassierte RTL-Prominente sagte, jeder Mensch sei im Grunde vollkommen. Nur die eigenen Fehler würden den Einzelnen erst zum Individuum machen.

Gut, soetwas nennen bayrische Politiker dann, wenn ich mich recht erinnere, leere Worthülsen. Aber immerhin wieder eine Minute gefüllt.

# Aphorismus des Tages [74]

Was wirklich rührselig am Menschen überhaupt ist: dass er das Allzumenschliche nicht los wird. Keine Maske, die er sich aufsetzt, hält ewig. Keine Meinung bleibt, höchstens eine Stimmung, diese zersplitternden Gewissheiten sind allein, was bleibt und anhaftet. Und man kann sie sehen.

# In Gedenken William S. Burroughs’

Die Leute sterben wie die Fliegen. Alles immer auf ein Jahr konzentriert, müsste man vielleicht irgendwann aufhören, ihnen nachzuhängen. Aber warum, wenn sie es doch wert sind?

Wikipedia: Burroughs
In the magical universe
there are no coincidences and there are no accidents. Nothing happens unless someone wills it to happen.
The dogma of science is that the will cannot possibly affect external forces, and I think that’s just ridiculous. It’s as bad as the church. My viewpoint is the exact contrary of the scientific viewpoint. I believe that if
you run into somebody in the street it’s for a reason. Among primitive people they say if someone was
bitten by a snake he was murdered. I believe that.

Heute jedenfalls, vor genau neun Jahren starb William S. Burroughs. Beat und Pop waren das, was zum einem Teil unter seiner Fahne den Weg in die Welt fand.

Die Streitereien um Rang oder nicht Rang kennen wir. Dennoch möchte ich die Conversations nicht ungenannt lassen. Burroughs, Leary, Wilson, Levine und Gysin auf einem Haufen ist sehr unterhaltsam.

Zwar möchte ich nicht wissen, wieviel Burroughs in Kerouac und Ginsberg, wieviel Kerouac in Ginsberg und Burroughs, wieviel Ginsberg in Burroughs und Kerouac steckt, aber sie sind gemeinsam ebenso wie allein wirklich nennenswerte Autoren und Ausstellungsstücke ihrer Fächer, das sollte nicht vergessen werden.

Ja, ich stehe auf Zusammenschlüsse von großen und merkwürdigen Denkern.

# Ich hätte gern gewusst

Wer putzt die Zeitfenster?

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