Man muss durch seine eigene Hölle gehen – das bedeutet Individualität – will man irgendwann in sich frei und ungebunden sein. In allen Einzelteilen seiner selbst, und diese noch gesplittert, muss man harren und getreten werden, ehe man, von den Fingerkuppen an, sich zu einem neuen Menschen mausern kann. Es wird nur weh tun, und dafür später ruhig blenden.

“So ein ungehobelter Blödsack! Kommt durchs Leben, und ist dümmer als sein Schuhwerk.”

“Wenn er dich damit aufregt, hat er wenigstens einen Teil seines Ziels verwirklicht.”

“Ehrlich, er regt mich nicht auf, nicht mich, mich nicht, oh nein!”

Lethargie ist in einer Weise auch vorteilhaft. Sie hält die Welt zusammen, ölt ihr Getriebe und lässt alles in seinem Trott. Was wäre los mit allem, wenn eines Tages plötzlich jeder etwas zu tun hätte?

Ganz oben, nur noch eine Handbreite von der Decke entfernt, konnte man das Tageslicht durch ein schmales Fenster von draußen herein spazieren sehen. Solche Fenster werden normalerweise nur in Kellern verbaut, die Bunkern ähneln. Selbst unter handelsüblichen Kellerfenstern waren diese hier winzig, der Rahmen war breiter als das trübe Glas, und zu allem überfluss waren sie in einem Erdgeschoss verbaut worden. Zusammen mit den monströsen Gittern rund um das Gebäude, dem alten, modrig riechenden Mauerwerk und den dicken Wolken, die vor zehn oder zwanzig Jahren in den spitzen Antennen auf dem Dach hängen geblieben waren, sah es fast aus, als würde man auf ein Abbild aus der Vergangenheit schauen, dessen Perspektive sich ändert, je nachdem, wie man es hält.

Aus einer anderen Zeit kam es sicher. Ab und an wechselten die Insassen, die Besucher und die Plastikblumen hinter den vergitterten Fenstern des zweiten und dritten Stocks. Wenn man ganz nah am schief hängenden Briefkasten vorbei ging, dann konnte man ganz oben an den Fenstern alte Leute stehen sehen, die Hände auf das Glas gelehnt und auf die Straße starrend. Als kennten sie jedes Fahrzeug, so friedlich oder innerlich gebrochen und müde, glotzten sie auf die Standstreifen. Sie müssten auch schon die Zeitschaltung der Ampeln gekannt haben und hätten die Grünwellen über durch die Gänge flanieren können. Aber hätten sie von den Stationsschwestern nur Kissen, die Fenster geöffnet und die Gitter an den Rand weg gebogen, dann wären sie erst recht dort stehen geblieben. Manchmal wäre sicher einer dabei eingeschlafen, aber so merkte man von draußen wenigstens nicht, wenn einer nach hinten auf die Platten kippte.

I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]

[...] und die Kirche das letzte Wort gehabt.

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