[...] jetzt habt ihr Gelegenheit zu zeigen, dass euer neu gewonnener Nationalstolz nicht mit Wurstwasser geweiht ist.

Was bleibt nach Wegnahme von Gesagtem und Nicht-Gesagtem übrig? Nur ein wackeliger Standpunkt.

Die Augen aufgeschlagen und zum ersten Mal keine Schmerzen in der Brust gehabt. L. stolperte in die Küche und folgte mit müden Augen der Mechanik, die in gleichmässigem Takt die alltäglichen Vorgänge durchratterte. Kaffee aus dem Apotheker-, Tasse aus dem Hängeschrank, Löffel aus dem Schubfach, Wasser aus dem fiependen Kessel, alles in festgelegter Reihenfolge miteinander benutzen. Genau dasselbe hatte er schon von der Grundschule bis schätzungsweise zur achten Klasse gemacht. Sam’n'Max, Day Of The Tentacle, Monkey Island und die andere der legendären Lucas-Arts-Adventures hatte er schon auswendig gekonnt, noch bevor die ersten bebrillten Technikverrückten mit Ich habe den Schwertmeister besiegt-T-Shirts durch die Gegend irrten.

Rückblickend hätte er sein komplettes Leben, Schullaufbahn, Studium und Arbeit auch von einer Tastatur aus genau so leben können. Viel mehr, als die eingeschränkten Möglichkeiten, bestehend aus ansehen, aufheben, gehe zu, benutzen und sprechen gab es auch nicht, wenn man die Welt aus der Egoperspektive sah.

Ob sein ganzes Leben nicht vielleicht wirklich nur ein Adventure und er bloß der Protagonist war, von denen eine Hand voll den Leuten im Gedächtnis bleibt, hatte er sich schon manchmal gefragt. Aber es musste in gutes Spiel sein, denn es lief schon so lang. Vielleicht ließe sich die gähnende Leere seiner Tage ja dadurch erklären, dass der Typ hinter seinem Bildschirm vor ein paar Wochen gestorben war oder plötzlich Besseres zu tun hatte.

I can't go on, I'll go on. [Weiterlesen »]

Die Koalition hat ihren Sympathiebonus verspielt, steht gerade auf Spiegel Online. Was meinen die? Hätte Angie vielleicht auch noch eine Prämie für die neuen, deutschen Außenminister Fussballgötter springen lassen sollen? Frisch aufgebrochene Wunden schmerzen eben, wenn die Betäubung WM vorbei ist.

Gottfried BennMancher mag es wissen, nichtsdestotrotz sei daran erinnert, heute vor 50 Jahren starb ein guter Dichter – Gottfried Benn. Wir wollen niemandem einen Exkurs in sein Leben aufzwingen, also unterlassen wir es, selbst einen zu unternehmen. Doch auf den Briefwechsel zwischen Benn und Klaus Mann wollen wir noch hinweisen.
Und dazu noch soll das, was ihn berühmt gemacht hat, hier nicht vernachlässigt werden. Also folgt wenigstens ein Gedicht von ihm.

Gottfried Benn: Nachtcafé

824: Der Frauen Liebe und Leben.
Das Cello trinkt rasch mal. Die Flöte
rülpst tief drei Takte lang: das schöne Abendbrot.
Die Trommel liest den Kriminalroman zu Ende.

Grüne Zähne, Pickel im Gesicht
winkt einer Lidrandentzündung.

Fett im Haar
spricht zu offenem Mund mit Rachenmandel
Glaube Liebe Hoffnung um den Hals.

Junger Kropf ist Sattelnase gut.
Er bezahlt für sie drei Biere.

Bartflechte kauft Nelken,
Doppelkinn zu erweichen.

B-Moll: die 35. Sonate.
Zwei Augen brüllen auf:
Spritzt nicht das Blut von Chopin in den Saal,
damit das Pack drauf rumlatscht!
Schluß! He, Gigi! -

Die Tür fließt hin: Ein Weib.
Wüste ausgedörrt. Kanaanitisch braun.
Keusch. Höhlenreich. Ein Duft kommt mit. Kaum Duft.

Es ist nur eine süße Vorwölbung der Luft
gegen mein Gehirn.

Eine Fettleibigkeit trippelt hinterher.

 â—„ 1 2 3 4 5 ...7 8 9 â–º