Jeder sollte sich damit konfrontiert sehen, dass er keine Bedeutung hat. Genauer gesagt aber ist man damit nicht allein, denn nichts hat allgemein und überhaupt betrachtet eine Bedeutung. Man ist nur ein kleiner Teil eines Großen. Sollte man dadurch beengt sein? Das sollte man nur, wenn man sich ein Ziel gesetzt hat, oder nicht allein menschlich bleiben kann, beides ist nicht verwerflich. Lebt man ohne Ziel, so tröstend wenigstens die Sonne wärmend. Nicht zuletzt, und das muss man sich trotzdem eingestehen, verlangt man mit solch einer Aussage beinahe Unmögliches, fast Göttliches, jenes, wonach die Religionen schon seit tausenden Jahren irren, von sich selbst.
Wie Schopenhauer schrieb, so müsste man jene Willenlosen Yogi allein bewundern.
Wir befinden uns an einer dunklen Lichtung, links liegen ein paar leicht begrünte Felder, dahinter die Gebäude einer Fabrik. Das Haus wird nicht zur Ruhe kommen, ehe nicht der letzte Mitarbeiter aus seinem Bauch verschwunden ist, das Licht gelöscht und die Türen verschlossen hat. Ab und zu kann man ein leises Schnaufen vernehmen, aber ehe man versucht ist, wehmütig den Kopf herüber zu schwenken und das Haus durch die künstlichen Brillengläser der Tränen zu sehen, hat diese verdammte graue Masse, die vielleicht nur bloße Einbildung ist, die Sache geklärt – es war der Schornstein, die Rauchwolken in Form einer Helix sind keine ausgebrannten Träume, sondern nur vergeudete Zeit. Nimm die Augen wieder weg und schau hierher, denke über das nach, was dich bewegt, und versuche nicht, dort Mitleid auszudrücken, wo nicht einmal für Lachen Platz geschaffen worden ist.
Die Selbstaufgabe einer Simone Weil oder eines Georg Trakl gepaart mit den Zähnen eines Emil Cioran, dem Wahn eines Vincent van Gogh oder eines Aleister Crowley, der Menschlichkeit eines James Joyce oder eines Vladimir Nabokov zusammen mit der Enttäuschung eines Jean Amery – solch ein Wesen, wahrscheinlich würde man es vor Blendung nicht sehen, oder vor Wohlklang nicht hören können.
Der Sprache gilt es keine Träne nachzuweinen. Woran es einer Sprache mangeln mag, sind Stilmittel, also Möglichkeiten, mit der Sprache zu spielen. Doch künstlerisch wird es immer erst dann, wenn man trotz Eingeklemmtseins zwischen den Mauern einer Sprache, in ihr einen Stil schafft, wenn man gegen die Behebigkeit eines Sprachsystems mit ihm zu jonglieren weiß.
Wenn man zu hohe Ansprüche an etwas stellt, dann ist die landläufige Folge wohl immer, dass man Türme genau an den falschen Stellen aufzieht, Ein winziges Fundament aus falschen Vorstellungen hält nichts als die Wahrheit, bis auf die der Bau dann auch in sich zusammen bricht. Man hätte es ja früher wissen können, aber es war viel schöner, sich Illusionen hinzugeben.
überall auf der Welt stehen solche Türme, wackelig und vor sich hinschwankend warten sie auf einen kleinen Stoss des Windes oder einer Gemütsregung, um krachend die Welt in Schutt und Asche zu legen. Ob es nun bei Fussballweltmeisterschaft, niemand lernt es. Allein dieses Auf und Ab verleiht der Tristesse ab und zu ein etwas lichtes äußeres.
Nur was passiert, wenn irgendwann die ganze Welt wie von einem Blitz getroffen wird und plötzlich einsieht, dass das, was sie sehen, nicht da ist, sondern dass sie sich nur gewünscht hatten es sei da? Bisher sind nur es nur einzelne Trümmer, die nicht wieder aufgerichtet werden, die bleiben einfach liegen und säuern den Anblick der Umgebung rund um die Prachtbauten und Baustellen. Doch wohlmöglich werden es immer mehr, bis irgendwann nur noch Asche zu sehen bleibt. Wahrscheinlich hört dann trotzdem niemand auf zu bauen, oder Gedanken an große Werke zu verschwenden, sondern lässt sich einfach mehr Zeit und ruft all seine Nachbarn herbei, wenn die ersten Rissen durch die Mauern knacken.
Mit Optimismus ist dann nichts mehr zu erreichen. Genausowenig mit Zielstrebigkeit oder gar Stolz. Nur jene, denen alles egal sein kann, die nichts zu verlieren haben, wird man vielleicht fürchten, wenn sie auf den Schutthaufen thronen und jeden mit einem Lächeln belohnen, der an ihrer Hoheit vorbei geschlürft kommt.













