Nur mit Entsetzen wach ich morgens auf,
Ich möchte bittre Tränen weinen,
Den Tag zu sehn, der mir in seinem Lauf
Nicht einen Wunsch erfüllen wird, nicht einen,
Der selbst die Ahnung jeder Lust
Mit eigensinnigem Krittel mindert,
Die Schöpfung meiner regen Brust
Mit tausend Lebensfratzen hindert.
Goethe: Faust – Der Tragödie erster Teil
Wobei doch die Nacht Erholung bringen sollte, hieve ich mich in die Aufrechte und versuche zu realisieren, was mir bevor steht, was zu leugnen ist, was nicht. Doch unterbricht ein Stechen dieses alltägliche Ordnen, das sich halbminütig widerkehrend durch meine Brust hangelt. Es zieht umher, geistert mir durch jedes Körperfell, stößt manchmal an bei Herz, Rippenfell und schließlich Lunge, bis es irgendwann irgendwo dazwischen hängen bleibt und trotzig seine Glieder in mich austreckt. Wie lokalisiert man einen Schmerz? Man beginnt ihn zu fokussieren und erreicht genau das Gegenteil. In mir ist es kalt und öde, nur eine Stelle ist noch nicht von einer Eiswüste durchzogen. An ihr flackert in leichtem orange die kleine Flamme, die im Kampf mit der Kälte das Stechen und Brennen erzwingt.
Heil dir, Schlaflosigkeit! murmele ich mit einem Seitenblick auf den grauen Schleier vor meinen Augen, der am Bettrand hockt und die dünnen Beinchen gelassen durch die Luft schaukeln lässt. Kein bisschen betroffen sieht sie aus, als sie, die dunklen Locken gepflegt und ordentlich auf einander geschichtet, mir kühl und trocken in die Augen sieht. Jeder Tag beginnt erschöpfter als der letzte, bis das Schleier zu dichter Farbe wird und alles blockt, was vor mir liegt. Da geht alles ohne Zutun, nur wiegt alles schwerer noch als sonst. Das Blei auf den Augenlidern zieht stärker dem Erdboden entgegen, jeder Schritt und jeder Zug der Arme braucht mehr Kraft, die kleinen Kerben, die der Zahn der Zeit in meine Knochen genagt hat, werden endlich spürbar. Das Licht ist falsch und grell, es bricht kein Strahl sich mehr in den Pupillen, wenn alles im Dunst der Eintönigkeit verschwimmt.













